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Beim Austreiben der Blätter im Friihlinge werden die Knospen für das nächste Jahr angelegt undzugleich die Blüthenstände für dasselbe Jahr ausgebildet. Zunächst entstehen an dem Höcker in derAchsel des Blattes zwei Blätter (die Zweigvorblätter), dann theilt sich der Anlagehöcker (Vegetations-kegel) in zwei Portionen, von denen die eine, welche als Hauptaxe des Sprosses betrachtet wird, zu demBlüthenstände sich ausbildet, während sich die zweite, welche als Achselspross aus dem einen der beideneben erwähnten Zweigvorblätter angesehen wird, zum Grundstock für die Knospe des nächsten Jahressich entwickelt. Dasjenige Vorblatt, bei dem sich der Blüthenstand befindet, wächst bald heran, währendder zweite schuppenförmig bleibt und die Achselknospe einhüllt. Jenes ist das Flügelblatt der Infloreseenz,das in den allermeisten Fällen keine Knospe erzeugt, doch sind auch Fälle beobachtet worden, in denenes ein Seitensprösschen hervorbrachte. Auf diese Thatsache gründet sich die Annahme, dass die In-floreseenz wirklich die Hauptsache der ganzen Achselknospe jedes Blattes ist. Der Blüthenstand endetmit einer Gipfelbluthe, unter der sich meist 3 kleine, lanzettliche, abfällige Hochblätter entwickelt haben.Das unterste derselben bleibt leer, aus den Achseln der beiden andern treten kleine Dichasien hervor,die zuletzt in Monochasien, wie man meint, von wickelartiger Ausbildung auslaufen. Auch unter derGipfelbluthe finden sich hier in der Regel noch zwei Blüthen, so dass im Gegensatz zur wenigblüthigenSommerlinde bis 13 (seltener 15) Blüthen vorhanden sein können, wenn die beschriebene Entwicklungnormal verlaufen ist. Die Streckung der Infloreseenz vor der Vollblüthe geschieht innerhalb derobersten Ansatzstelle des Flugblattes, dieses wächst also, wie man sich ausdrückt, dem Stiele an. Esist lanzettlich, zungenförmig, stumpflich, unten geht es allmälig sich verschmälernd in den Stiel Uber;es ist einnervig, netzadrig, grünlich gelb und häutig, später wird es trocken, papierartig; seine Längebeträgt wie die Infloreseenz 6—8cm.
Die Blüthen werden von gegliederten bis 1 cm langen, stielrunden Stielchen getragen, sie sindwohlriechend. Der Kelch wird aus 5 oblongen, spitzen, auf beiden Seiten sternfilzigen, graugrünen,concav-convexen, klappig in der Knospe deckenden, etwa 5 mm langen Blättern gebildet. Die Blumen-blätter haben am Grunde keine Schuppe; sie sind länger als der Kelch, grünlich gelb, oblong spathel-förmig und häutig, in der Knospenlage gedreht. Die Staubgefässe sind zahlreich, frei, nur wenigoder kaum länger als die Blumenblätter; der fadenförmige Staubfaden trägt die beiden gesondertenTheken, welche mit Längsspalten aufspringen. Die Pollenkörner sind gerundet tetraedrisch und tragen3 ziemlich grosse Poren. Der Fruchtknoten ist fast kugelförmig, dicht filzig und in der Regel fiinf-(selten vier- oder drei-) fächrig, in jedem Fache finden sich 2 aufstrebende anatrope, nebenständigeSamenanlagen, welche im Binnenwinkel befestigt sind; der einfache Griffel ist kürzer als die Staub-gefässe, er ist stielrund, kahl und geht am Ende in 5 (4—3) zuerst aufrechte, später flach ausgebreiteteNarbenlappen aus.
Die Frucht ist nussartig, kugelförmig, mit einer kurzen und schiefen, stumpfen Spitze versehen;sie hat etwa 7—8 mm im Durchmesser, ihre Haut ist lederartig und fein filzig; von den 10 Samen-anlagen entwickelt sich allermeist nur eine, die übrigen werden zwischen Samen und innerer Frucht-wand zusammengedrückt. Der Fruchtstand trägt noch das Flügelblatt, welcher als Flugapparat zurVerbreitung der Früchte dient.
Der Same ist im Ganzen der Frucht in der Form ähnlich, nur entsprechend kleiner; er umschliesstin einem reichlichen, ölhaltigen Nährgewebe den Keimling mit gefalteten, blattartigen, fünflappigen Keim-blättern und einem dicken Würzelchen.
Die Winterlinde wächst fast in ganz Europa, mit Ausnahme des polaren Theiles; sie fehlt fernerim südlichen Spanien, südlichen Italien und Griechenland; sonst findet sie sich noch in den südlichenKaukasusländern und geht Uber den Ural nach dem Altai.
Die mit dem Flugblatte versehenen, getrockneten Blüthenstände der Winterlinde werden, wie die-jenigen der Sommerlinde, als Flor es Tiliae , Lindenblüthen, in den Apotheken geführt.