Bemerkungen über Eeagentien und Reaktionen.
11
lang, selbst über Nacht offen stehen zu lassen, scheint leider vielfachvorzukommen. Es ist doch selbstverständlich, daß, um nur ein Beispielanzuführen, Schwefelsäure, die häufig gebraucht wird und dabei längereZeit offen steht, sich nicht mehr in konzentriertem Zustande befindetund leicht zu unrichtigen Resultaten führen muß (bei Membranen).Osmiumsäure, über deren Zersetzung man zuweilen klagen hört, wirdnicht durch Licht zersetzt 1 ), sondern dadurch, daß beim vielfachenOffnen und bei langem Geöffnetsein der Flasche oxydierbare Substanzenaus der Luft hineingelangen. Außerdem ist die Laboratoriumsluft zuberücksichtigen.
Bei sachgemäßer Entnahme der Reagentien wird ein längeresGeöffnetsein der Reagenzgefäße umgangen. Sind größere Quantitätenzu einer Reaktion oder zu einer Serie von Reaktionen notwendig,dann füllt man die erforderliche Menge auf ein tiefes Uhrglas oderSchälchen, das mit einer Glasplatte bedeckt wird. Bei der Prüfungvon Auszügen, bei der man nur geringe Mengen braucht, bringt maneinen größeren Tropfen der Reagenzlösung seitlich auf den Objekt-träger und entnimmt diesem das nötige Quantum mittels eines feinenGlasstäbchens oder einer Glasöse, über deren Anfertigung Schouten 2 )eingehende Angaben gemacht hat. In den meisten Fällen wird manindessen das Reagens direkt zum Präparate bringen und das Stand-gefäß sofort wieder schließen. Lösungen, die ausschließlich zumFixieren und Härten für Färbungen dienen, können, wenn sie sichnicht zersetzt haben, filtriert und weiter verwendet werden. Dies giltvornehmlich für die teuren Fixiermittel. Bei billigen und einfach her-zustellenden Lösungen jedoch (Kaliumdichromat bei Gerbstoffen, Kupfer-azetat bei Harzen u. a.) sieht man von einer mehrmaligen Verwen-dung ab.
Überwiegend gelangen die Reagentien in Lösungen zur An-wendung, in neuerer Zeit verschiedentlich auch in Dampfform, seltenin fester Form, Die erhaltenen Reaktionen sind Quellungs- undLösungsvorgänge, oder bestehen in Fällungen und Niederschlägen sowiein Färbungen.
Über die Ausführung: der mikrochemischen Reaktionenlassen sich nur wenige allgemeine Gesichtspunkte hervorheben. Wir
*) Osmiunisäure braucht nieht vor Licht geschützt aufbewahrt werden,eine nahezu zweijährige, in einem weißen Glasstiipselglase aufbewahrte Stamm-losung ist noch tadellos.
2 ) S. L. Schouten, Methoden zur Anfertigung der gläsernen [soliernadeln,gehörend zu dem Isolierapparat für Mikroorganismen, Ztschr. f. wiss. Mikr., 1907,XXIV, S. 258.