Druckschrift 
2 (1854)
Entstehung
Seite
143
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Moschus.

143

offenbar, und es wurde nun die Stelle des Einbringens gesucht. Diese fandsich auch in der Gestalt eines kleinen Loches, welches durch die von aussenhineingestopften Haare vollkommen geschlossen war. Man konnte nun die Sachevon beiden Seiten besehen. Innen ragten die Haare hinein und verriethen dieDurchdringung der Membran, aussen war an dieser Stelle auch nicht das Ge-ringste, was Verdacht erregen konnte, zu sehen. Es war also der Beutel geöff-net und die Substanz wahrscheinlich durch eine Canüle herausgesaugt, und aufdemselben Wege eine andere, in Farbe und Geruch ähnliche Substanz hinein-gebracht worden. Die Handlung war so gefällig, diesen Beutel wieder zurück-zunehmen, wozu ich sie eigentlich nicht anhalten konnte, indem sie, ebensowohlwie ich selbst, in der Lage war, die Katze im Sack kaufen zu müssen.

Mit Recht verbietet die Pharmacopoe die Anschaffung von ausgenommenemMoschus, indem man alsdann die Künste der asiatischen und europäischenChinesen zugleich zu bekämplen hat. In den Moschus ex vesicis weiden alleverunglückten und zurückgeschickten Beutel untergebracht, und dadurch immereine schwächere Waare erhalten.

Es ist unmöglich, von dem Moschusbeutel und seinem Inhalte eine solcheBeschreibung zu geben, dass man unter Anlegung derselben immer gegen Ver-tuschungen geschützt sei. Jeder Apotheker muss schon echten und guten Mo-schus gesehen haben, ehe er in die Lage kommt, selbst davon anzuschaffen.Die Stärke und Reinheit des Geruches, worauf doch das meiste ankommt, kannohnehin nicht durch Worte beschrieben werden. Es ist dies eine rein subjeetiveWahrnehmung.

Wenn man Moschus ausnimmt, legt man einen Bogen Glanzpapier auf einenlisch und nimmt darauf die Operation vor Ein Viertelbogen Glanzpapier dientunmittelbar zur Unterlage, und der ganze Bogen, um darüber hinausfallendeStückchen aufzunehmen Man schneidet nun mit einem scharfen Federmesserdie haarlose Seite dicht an der Grenze an der behaarten Seite rundum ab, undWst die Calotte ab. Nun kratzt man stückweise die Moschuskörnchen heraus.bringt sie in kleineren Partieen in den Moschusmörser und zerreibt sie darin zugrobem Pulver. Sich klümpernde Membranenstücke werden mit einer Pineeteherausgelesen, und das grobe Pulver in ein Gias mit engem Halse und gutschliessendem Stöpsel eingebracht. Der Moschus darf aber nicht mehr feuchtsein, wenn er diese Behandlung erleiden soll, indem er sonst in Verderben über-geht. Auf darf er nicht künstlich an einem wannen Orte getrocknet werden,wodurch er zu sehr von seiner Kraft verlieren würde. Entweder lässt man denKufgeschnittenen Beutel etwas an der Luft abtrocknen oder man stellt ihn miteiner mit trocknem Chlorcalcium gefüllten kleinen Schale auf einem Porcellan-teller unter eine Glasglocke. So getrockneter Moschus lässt sich ungleich leich-ter zu Pulver zerreiben als frischer, von den Materialisten absichtlich gegenEintrocknen geschützter.

Die Moschusstückchen werden der Reihe nach abgekratzt, zerrieben undgeborgen.

Es liegt sehr nahe, dass man, um zu wissen, was man für ein Geschäftgemacht habe, auch das Gewicht des erhaltenen reinen Products bestimmt. Vonden zuletzt ausgenominenen Beuteln habe i h folgende Zahlen notirt. Ein Beu-tel, welcher 21 (i Gran wog, gab 124 Gran reinen Moschus, also reichlich 50 Pro-cent. Ein Beutel, welcher 5% Drachme oder 330 Gran wog, gab 8 Drachmen4 & Gran oder 225 Gran reinen Moschus, welches 68 P r0 cent beträgt. Ein Beu-tel, welcher 828 Gran wog, gab 28« Oau (= 72,G Procent) Moschus. Beiguten Beuteln, wo nicht zu viel drum und dran hangt, kann man im Allgemeinenmehr als die Hälfte des Gewichtes als Ausbeute annehmen.

Dt» caliai-dinisehe oder russische Moschus kommt wahrscheinlich von einem