240 Matiookampfer: Vorkommen, Isolierung und physikalische Eigenschaften
doppelt ungesättigtes Sesquiterpen zu bilden scheint, Für sekundäreNatur, jedenfalls gegen die tertiäre, scheint die Fähigkeit, beim Kochenmit Essigsäureanhydrid ein Acetat zu bilden, zu sprechen. Jedoch gestattendie wenigen bisherigen Angaben physikalischen und chemischen Inhaltskeinen tieferen Einblick in die Konstitution des Guajols.
Auf das Vorkommen des G-uajols in einem ätherischen Ol machtenzuerst Sch. u. Co. im Jahre 1892 aufmerksam; sie stellten auch fest, daßjedenfalls ein Alkohol vorliegt, der wahrscheinlich zu den Sesquiterpen-alkoholen oder zu nahe verwandten Verbindungen gehört. Wallachkonnte alsdann im Jahre 1894 weiterhin die Zugehörigkeit zu den Sesqui-terpenalkoholen erhärten. Er sowohl, wie späterhin Gadamee undAmenomija untersuchten besonders die Wasserabspaltung aus dem Guajol,so daß dieser Alkohol erst in den letzten 15 Jahren näher bekannt undstudiert wurde.
277. Matiookampfer C 15 H 26 0.
Vorkommen, Isolierung 1 und physik. Eig. Der im nördlichen Süd-amerika einheimische Maticostrauch Piper angustifolium Ruiz et Pav.liefert in seinen Blättern die echten Maticoblätter, welche schwach nachCubeben oder Pfefferminze riechen. Jedoch führt noch eine ganze Anzahlanderer Pflanzen ebenfalls den Namen Matico, so Piper aduncum L., P-laneeaefolium Humb., P. aeutifolium Euiz et Pav. und andere. Die Blätteraller dieser Sträucher werden im Handel nicht scharf auseinandergehalten,woher es auch kommt, daß die aus diesen gewonnenen ätherischen Oleeinmal in ihrer Ausbeute, sodann aber auch in ihrer qualitativen Zusammen-setzung stark voneinander abweichen. Die echten Maticoblätter liefernnach Sch. u. Co. (Flückigee, Pharmacogn. 1891, S. 748) ca. 2,7 °/ 0 äthe-risches Öl, d n = 0,953, schwach rechtsdrehend, wovon ein guter Teilunter 200° abdestilliert werden kann. Aus dem dickflüssigen Rückstandeschieden sich 2 cm lange und 5 mm dicke, hexagonale Säulen ab, derenkristallographische und optische Eigenschaften von Hintze (Tschebmaks„Mineralog. Mitteilungen" 1874, 227) ausführlich beschrieben wurden;H. erwähnt, daß die Kristalle der trapezoeclrisch-tetartoedrischen Abteilungdes hexagonalen Systems angehören und schwache Doppelbrechung besitzen.Flückigee gibt den Smp. 103° an und ist der Meinung, daß ev. keineeinheitliche Substanz vorliege. Küglee fand nämlich im Laboratoriumvon Flückigee trotz mehrfachen Umkristallisierens den Smp. 94° undgibt als Zusammensetzung C 12 H 20 O an; der Maticokampfer ist ohne Geruchund Geschmack, löste sich nicht in Atzlauge, werde von Schwefelsäuremit gelber Farbe aufgenommen, welche allmählich, rascher in der Wärme,in violett übergehe; fügt man gleich anfangs etwas HN0 3 hinzu, so er-scheint die Farbe schön blau. Mit trocknem Chlorwasserstoff zerfließt derMaticokampfer zu einer violetten Flüssigkeit, die sich, über Kalk stehend,blau färbt, — Traube (Zeitschrift für Kristallographie, 22 [1893], 47)