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X. Mechanisch wirkende Arzneikörper. Mechanica.
Shirting, Callico, Mull, Gaze etc.) finden in der Chirurgie eine sehrausgedehnte und höchst mannigfaltige Verwendung als Verband-, Ein-hüllungs-, Ausfüllungsmittel, zur Aufsaugung krankhafter Secrete, alsMittel zur Blutstillung (durch Imbibition und Capillarität wirkend) aufoffenen Stellen sowohl, wie in zugänglichen Höhlungen (zur Tamponade),als Deckmittel etc.
Häufig macht man sie auch zu Trägern von arzneilichen Stoffen für die localeAnwendung, so als Goss ypium hae m ost ati cum, antis epticum, jodatum etc.,worüber bei den einzelnen Arzneimitteln das Bezügliche mitgetheilt wurde. Zu er-wähnen ist noch die Anwendung der Baumwolle zur Darstellung der Collodiumwolle(pag. 38).
369. Paleae haemostaticae, P. stipticae, Blutstillende Spreu-haare. Ph. A. Die als dichter Ueberzug auf dem Stamme und aufden Wedelbasen verschiedener, im ostindischen Archipel und auf denSandwich-Inseln wachsender Baumfarne vorkommenden Spreuhaare, eineleichte, weiche, seidig-wollige, seiden- bis fast metallisch-glänzendeMasse von goldgelber bis broncebrauner Farbe bildend.
Nach ihrer Abstammung und Provenienz lassen sich folgende, mit ihren ein-heimischen Namen bezeichnete Sorten unterscheiden: 1. Pakoe Kiclanr/, von Also-phila lurida, Chnoophora tomentosa Bl., Balantium chry sotrichumHask. etc. auf Java. 2. Penawdr Djambi, von Cibotium Barometz Kz.,C. glaucescens Kz. und anderen Cibotiumarten auf Sumatra, und 3. Pulu, vonCibotium glaucum Hook, und anderen C.-Arten auf den Sandwichinseln.
Jedes Haar besteht aus einer einfachen Reihe von übereinander gestellten, mit starkwellig gefalteten Querwänden versehenen dünnwandigen Zellen, welche nachgedrücktund bei Pakoe Kidang an den Verbindungsstellen in der Achse des Haares um 90°gedreht sind, wodurch der auffallende, fast metallische Glanz bedingt ist, welcherdiese Sorte auszeichnet, deren Haare im allgemeinen auch länger und stärker sind alsjene der beiden anderen unter einander nicht wesentlich verschiedenen seidenglänzenden,hellgelben oder braungelben Sorten. Die in unserem Handel vorkommende Waare gehörtganz oder grösstenteils zu Pulu, welches in grossen Quantitäten von den Sandwich-inseln nach den Vereinigten Staaten Nordamerikas (als Füllungsmaterial für Betten,Möbel etc.) exportirt wird.
Penawar und Pakoe Kidang sind wohl schon seit den ältestenZeiten in ihren Heimatländern als Haemostatica benützt. In Europawurde die Droge vor ca. 60 Jahren zuerst eingeführt und in die hol-ländische Pharmacopoe vom Jahre 1851 aufgenommen. Ihre blutstillendeWirkung ist von Virike, Biet/ und anderen geprüft worden. Dieselbekann auf Capillarität (Vinke) wohl nicht beruhen; dagegen spricht derAufbau der Haare und die Thatsache, dass auch Spreuschuppen,also flächenförmig entwickelte Gebilde anderer Farne, wie jene vonPolypodium aureum L. (die in England als Hämostaticum Verwendungfinden sollen), sowie auch von unserem Aspidium filix inas blutstillendwirken. Offenbar spielt hier Quellung (der Zellwand) und Lösung (desZellinhaltes) die Hauptrolle {Vogl 1864).
Noltenius (1890) glaubt gefunden zuhaben, dass Penawar-Djambi keine gerinnungs-fähigen Eigenschaften besitzt, wohl aber der einfachen Wundwatte gegenüber sich durcheinen erheblich höheren Grad der Elastieität auszeichnet. Durch seine Uncomprimirbarkeitund den dadurch bewirkten elastischen Druck sei es imstande, auf die Wandung einerHöhle einen constanten, nicht unerheblichen Druck auszuüben, woraus sich die blut-stillende Wirkung bei Höhlenwunden und bei Oberflächenwunden, die durch einenCompressivverband geschlossen werden, einen genügenden Druck vorausgesetzt, erkläre.Dazu komme auch der Widerstand des Mittels, sich mit Blut zu imbibiren.
Auf Grund von Beobachtungen (besonders von Mikulicz) hält Noltenius Penawar-Djambi wenn auch nicht für antiseptisch, so doch für aseptisch und empfiehlt es, des-