VII. Acria (Irritantia). Scliarfstoffige Mittel.
Grösstentheils dem Pflanzenreiche und nur zum geringen Theiledem Thierreiche entnommene Arzneimittel, welche im lebenden Orga-nismus zunächst an der Applicationsstelle, unter Umständen aber auchin entfernten Organen die Erscheinungen einer mehr oder weniger aus-gesprochenen Reizung, bei stärkeren Graden der Wirkung jene derEntzündung mit ihren Folgen hervorrufen.
Die wirksamen Bestandtheile sind nur von verhältnissmässigwenigen der hier untergebrachten Arzneikörper genauer bekannt. Vieleder letzteren haben nicht einmal eine einigermassen befriedigendechemische Untersuchung erfahren. Jedenfalls gehören die wirksamenBestandtheile, soweit bisher bekannt, zu verschiedenen chemischenGruppen. Bei einer Anzahl scharfstoftiger Arzneimittel sind sie alsSäuren, beziehungsweise als Anhydride von Säuren, bei einer anderenals Glykoside erkannt; bei einzelnen ist ein Alkaloid als Träger derWirkung nachgewiesen worden, bei zahlreichen sind ätherische Oeleoder den Harzen angehörende Stoffe als solche anzusehen.
Buchheim hat (1872) gezeigt, dass die wirksamen Bestandtheile mehrerer scharf-stoftiger Arzneimittel Säureanhydride sind, d. h. an und für sich neutrale Körper,welche unter Aufnahme von Wasser leicht in Säuren übergeführt werden können, diebei manchen dieser Mittel nicht mehr die Eigenschaften eines Acre besitzen. Auf dieAnhydridnatur führt er ihre Wirksamkeit zurück, indem sie auf oder in dem lebendenOrganismus die Bedingungen finden, unter welchen sie in die betreffende Säure über-geführt werden können. Er nimmt aber an, dass dabei wahrscheinlich nicht Wasser,sondern ein eiweissartiger Körperbestandtheil in das Anhydrid eintritt.
Nach ihrer vorwaltenden therapeutischen Anwendung wollen wirdie scharfstoffigen Mittel in folgende Gruppen bringen: 1. Acriae pispastica; 2. A. aromatica; 3. A. emetica; 4. A. cathar-tica; 5. A. antidyscratica (Diuretica et Diaphoretica).
A. Acria epispastica. Hautreizmittel.
Scharfstoffige Arzneimittel, welche, auf die Haut applicirt, aufderselben unter schmerzhaften Empfindungen einen mehr oder wenigerhohen Grad der Hyperämie oder der Entzündung erzeugen und haupt-sächlich in der Absicht angewendet werden, um indirect auf entfernteerkrankte Organe heilend zu wirken.
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