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Bernatzik-Vogl's Lehrbuch der Arzneimittellehre : mit besonderer Berücksichtigung der österreichischen und deutschen Pharmakopoe
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X. Mechanisch wirkende Arzneikörper. Mechanica.

367. Fungus igniarius Ph. A.. Fungns Chirnrgornm Ph. Germ.,Wundschwamm.

Die allgemein bekannten, weichen, plattenförmigen Stücke desfast durch ganz Mitteleuropa auf alten Baumstämmen (besonders Eichenund Buchen) wachsenden, zu den Hymenomyceten gehörenden PilzesPolyporus fomentarius Fries, die weichste und lockerste Gewebs-schicht darstellend, welche sich aus dem grossen, halbkreisrunden,polsterf örmigen, an seiner Oberseite weisslichgranen, kahlen , glanz-losen Hute als zusammenhängender schön brauner Lappen heraus-schneiden lässt.

Der Wundschwamm, welcher sich unter dem Mikroskope als aus Fadenzellen(Hyphen, ein sogenanntes Filzgewebe bildend) bestehend erweist, muss rasch dasdoppelte Gewicht Wasser aufsaugen. Abgepresst und eingedampft darf dieses keinenerheblichen Rückstand zurücklassen. Das durch Tränkung mit einer Salpeterlosung zu-bereitete Hutgewebe, der sogenannte Feuer seh waram oder Zunder, ist nicht zulässig(Ph. Germ.).

Der Wundschwamm ist ein bekanntes volksthiimliches Hämostati-cum bei unerheblichen Blutungen (durch Wasserentziehung, Blutgerinnungund Druck wirkend).

Analog verhält sich auch der Bovist, Fungus Bovista (Fungus Chirur-gorum), der reife trockene Fruchtkörper (Peridie) von Lycoperdon Bovista L.und Tj. caelatum Bull., bekannten einheimischen Gastroinyeeten, dessen weiches,lockeres, zunderartiges, gelbbraunes Gewebe im Volke gleich dem Wundschwamm be-nutzt wird.

Sponf/ia presset, Sp. praeparata, Pressseh wamm. Zarte Meer-(Bade-)schwämme (Spongiae marinae), durch Kochen in Wasser gereinigt, dann getrocknet, inder Presse stark zusammengedrückt und so aufbewahrt.

ITiezu sind nur die feinen, hellgelbbräunlichen, feinporigen Sorten der insbe-sondere aus dem Ostgebiet des Mittelmeeres in den Handel gelangenden SyrischenSchwämme, von Spongia mollissima und Spongia Zimmocca 0. Schm., zuverwenden.

Man bedient sich des Pressschwammes in der Chirurgie und Gynäkologie inForm cylindrischer oder konische]' Stücke (Quellmeissel, Quellsonden) zur mechanischenErweiterung (infolge seiner Jmbibitions- und Quellungsfähigkeit) von natürlichen oderpathologischen Canälen.

Eine gleiche Verwendung findet der sog. Wachsschw am in. Spongia c erat a,hergestellt durch Imprägniren eines sorgfältig gereinigten feinen Schwammes mit ge-schmolzenem Wachs und Pressen desselben so lange . bis er zu einer trockenen hartenPlatte wird, aus der man dann stengeiförmige Stücke schneidet.