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Bernatzik-Vogl's Lehrbuch der Arzneimittellehre : mit besonderer Berücksichtigung der österreichischen und deutschen Pharmakopoe
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13JE.WSS: MNP

III. Tonica.

I

Mittel, welche den Tonus, d. i. jenen constanten, aetiven. unwill-kürlichen schwachen Oontraetionszustand (J. Müller), in dem sich diemit contractilen. Elementen versehenen Organe befinden, zu heben ver-mögen, sobald derselbe gesunken ist. Indem die unter der Einwirkungder Tonica stehenden Organe eine Zunahme ihrer Dichte und Resi-stenz erfahren, stehen sie somit in einem gewissen Gegensatze zu denals Emollienta, beztigl. Relaxantia geltenden Mitteln. Sonst wurdenin das Gebiet der Tonica häutig auch noch solche Arzneisubstanzen ein-bezogen, welche die hier ausgesprochenen Wirkungserscheinungen nichtauf dynamischem Wege, nämlich durch Erregung der den Muskel-tonus beeinflussenden Nerven oder ihrer Centra realisiren, sondern, wiedies von den Adstringentien gilt, die lebenden Gewebe verwiegenddurch ihre chemische Action auf die sie constitnirenden Eiweissubstanzen,wahrscheinlich unter Verminderung ihres Wassergehaltes dichter, zäherund resistenter gestalten.

Von besonders hoher Bedeutung ist der Einfluss der Tonica inbestimmten Stärkegraden auf den Oontraetionszustand der bis in ihrefeinsten Verzweigungen reichlich glatte Muskelfasern führenden Gefässe(Arterien wie Venen), sowie der mit diesen und eigenen Muskelausbrei-tungen versehenen Apparate, welche die Verdauung, Respiration, dieverschiedenen Se- und Excretionsvorgänge. dann die geschlechtlichenFunctionen vermitteln, deren durch herabgesetzten Tonus bedingtefunctionellen Störungen und Rückwirkung derselben auf den Gesammt-organismus sie nicht selten ganz oder theilweise zu beheben vermögen.

Die Zahl der tonisch wirkenden Mittel ist eine nicht unbeträchtliche. Ausser denzur Classe der Amaricantien zählenden sind es besonders eine Reihe alkaloider Sub-stanzen, wie die Chinabasen, Coffein, Theobromin, Brucin, Strychuin und andere orga-nische Verbindungen (Ergotin, Digitalin etc.), dann die Säuren, namentlich mineralische,sowie gewisse physikalische Agentien (Kalte, Elektricität), deren erregender Einflussauf den Tonus sich bald im Oiesammtorganismus, bald nur in einzelnen der mit contrac-tilen Fasern versehenen Apparate deutlieh zu erkennen gibt. Da jedoch die Wirkungs-weise dieser Arzneisubstanzen sich auch nach anderen Richtungen und oft noch auf-fälliger äussert, so pflegt man sie zweckmässiger an den ihrem G-esammtverhalten mehrentsprechenden Orten abzuhandeln.

Indireet verhalten sich als Tonica noch solche Mittel, welche dieVorgänge der Verdauung (Peptica), die Hamatose (Martialia) und

damit die Gesammternähruna- unterstützen.

nimmt auch der Muskeltonus im allgemeinen zu.

Mit der Hebung derselben