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VI. Alterantia et Resolventia.
Eine Reihe arzneilicher Substanzen, fast ausschliesslich anorga-nischer Constitution, welche nach ihrer Grundwirkung im Organismustheils als umstimmend, theils als lösend und zertheilend ange-sehen werden.
Resolventia (Liquefacientia), auflösend wirkende Arzneimittel, pflegt mansolche zu nennen, welchen die Eigenschaft zukommt, auf dem Wege localer oder ,aberallgemeiner, die Blutbildung, Ernährung, Se- und Excretionen beeinflussender Einwirkungpathologische Bildungen (entzündliche Schwellungen, Gewebsneubildungen, Exsudate undandere Ablagerungen) durch Erweichung, Schmelzung und Resorption zum Schwindenzu bringen. In die Circulation eingeführt, beschränken dieselben die Bildungsfähigkeit(Plasticität) des Blutes (Antiplastica, Dysplastica), fördern den Rückbildungsprocess imOrganismus und beschleunigen zugleich die Abfuhr der dabei resultirenden Umsetzungs-sowie Endproducte.
Diese Auffassungsweise schliesst sich theilweise auch an jene der Alterantia,der sog. umstimmenden Mittel (Metasyncritica) an, worunter solche arzneilicheSubstanzen begriffen werden, nach deren Aufnahme in den Organismus der gesammteErnährungsprocess durch noch unaufgeklärte Veränderungen in der Constitution desBlutes und der Gewebe des Körpers eine in seinem Wesen und Verlaufe abweichendeRichtung erhalten und damit die Beseitigung vorhandener pathologischer Vorgänge be-wirkt werden soll. Man dachte wohl auch, dass an Stelle dieser letzteren neue, mitHilfe jener Mittel bewirkte, krankhafte Zustände treten und so jene verdrängt, beziehungs-weise durch sie ersetzt werden (Methode substitutive).
Die günstigen Erfolge bei der therapeutischen Anwendung der Alte-rantia und im weiteren auch der Resolventia, zu denen vornehmlich dieVerbindungen der Alkali- und Erdalkalimetalle gehören, aber auchSchwefel, Jod, Quecksilber u. a. gezählt werden, finden ihre Erklärunghauptsächlich in den durch sie veranlassten Aenderungen in denVorgängen des Stoffwechsels, wodurch die Ernährungsverhältnisseim allgemeinen, sow.ie die einzelner Organe in einer Weise beeinflusstwerden, welche die Rückbildung ihrer pathologischen Veränderungen,dann die Beseitigung der daraus für den Gesammtorganismus sichergebenden Störungen ermöglicht. Doch mögen die Heilwirkungen beiAnwendung dieser Classe von Mitteln auch noch auf anderem als demangedeuteten Wege erfolgen, so bei manchen derselben vorwiegend durchden deletären Einfluss, den sie auf die niedersten Lebewesen, vieleauch auf nicht organisirte Fermentkörper ausüben, bei anderen durchdie von ihnen ausgehenden Neutralisations-, Lösungs- oder andere Vor-gänge im Körper.