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Bernatzik-Vogl's Lehrbuch der Arzneimittellehre : mit besonderer Berücksichtigung der österreichischen und deutschen Pharmakopoe
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873
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Anhang. Brompräparate.

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säure und 7 Tli. Weingeist von 0,816 spec. Gew., worauf man die Mischung der Destil-lation im Sandbade unterwirft. Das Destillat wird zuerst mit einer Lösung von Kalium-carbonat (1:20), dann 3—4mal mit Wasser (1 Vol.) geschüttelt, mit Calciumchloridentwässert und aus dem Wasserbade destillirt.

Bromäthyl (von Tourneville und Nunnely 1858 als Anästheticum statt Chloro-form empfohlen) zersetzt sich unter dem Einflüsse von Licht und Luft allmählichunter Bildung von Bromwasserstoff und freiem Brom, wobei es eine bräunliche Farbeund saure Eeaction annimmt.

Von mehreren Seiten wird das Mittel neuerdings als Anästhe-ticum , besonders für kurz dauernde Operationen (Zahnextraction,Incisionen etc.), sehr gerühmt, ja selbst als das ungefährlichsteAnästheticum (Witzel 1891) bezeichnet. Als Vorzüge werden ihm nach-gerühmt: leichte Ausführbarkeit und rasches Eintreten der Narkose,rasche Erholung nach dieser, das seltene Eintreten von Erbrechen,auch die Billigkeit und der Mangel der Feuergefährlichkeit. Doch sindwiederholt schwere Intoxieationserscheinungen und selbst Todesfälle,infolge seiner Anwendung, in den letzten Jahren vorgekommen und wurdevon mehreren Autoren auf die Gefährlichkeit dieses Anästheticums auf-merksam gemacht. Nach Gurlt steht es in der Gefährlichkeit denanderen Anästheticis durchaus nicht nach.

Drrser's experimentellen Untersuchungen (1896) zufolge steht Bromäthyl, rück-sichtlich der Intensität der Wirkung als Anästheticum, in der Mitte zwischen Aetherund Chloroform. In hohen Dosen zeichnet es sich aus durch schnelle Herbeiführung einertiefen Narkose; der Tod erfolgt wie bei Aether und Chloroform durch Respirations-lähmung. Als besonders beachtenswert!! wird die giftige Nachwirkung des Mittelshervorgehoben. Keines der Thiere, welche Bromäthyl eingeathmet hatten, blieb am Leben.Bei einigen zeigte sich nach dem Tode, als Zeichen einer schweren Nierenreizungdurch Zersetzungsproducte des Bromäthyls, blutiger Harn. Wahrscheinlich wird nichtalles inhalirte Bromäthyl wieder ausgeathmet, sondern ein Theil im Organismus zurück-gehalten, hier zerlegt, und die hiebei gebildeten intermediären Producte äussern eineenergischere Wirkung als das Bromäthyl selbst. In der That konnte Dreser im Harneder Kaninchen selbst nach kurzer Dauer der Inhalation Brom nachweisen ; desgleichen auchim Harne von 7 Patienten, welche mit Bromäthyl naikotisiit worden waren. Einen merk-würdigen Fall von einer Nachwirkung des Bromäthyls, die sich wesentlich auf dascentrale Nervensystem erstreckte, theilt Jendriiza (Therap. Monatsh. 1892) mit, ein18jähriges Dienstmädchen betreffend, welches behufs Zahnextraction mit Bromäthylnarkotisirt worden war.

Intern zu 0,8 — 1,0 (5—20 Tropfen) p. d., 2—4mal täglich, aufZucker oder in Gelatinkapseln bei Gastralgien, Keuchhusten undAsthma, Extern zur Erzielung localer Anästhesie (Terillon, 1880)mittels Aufträufeln, Einreiben oder Spray bei Neuralgien und Rheumat-algien und in Form von Inhalationen zu 0,5—2,0 (10—40 Tropfen),1—3mal in 24 Stunden bis 30,0! bei allen kleineren Operationen,deren Dauer nicht über 10 Minuten hinausgeht (Asch, Eschricht 1881V),insbesondere bei Zalmextractionen, dann bei psychischen, neuralgischen,sowie neurasthenischen Leiden (0, Berger) und zur Herbeiführung vonAnalgesie bei Gebärenden (Lebert 1882, Haeckcrmann 1883).

Bromäthyl ist nicht zu verwechseln mit Bromäthylen, Aethylenum bromatum,(Aethylenbroinid), einer bei 131° siedenden, chloroformartig riechenden, in Wasser unlös-lichen, mit conc. Weingeist in allen Verhältnissen mischbaren Flüssigkeit von 2,17 spec. Gew.

Donath (Therap. Monatsh. 1891) hat es als Antiepilepticum empfohlen, gestützt aufdie ermunternden Resultate seiner Anwendung bei einigen Epileptikern, welche zeigten.dass durch das Mittel im allgemeinen die Anfälle seltener, kürzer und milder werden,dass sie nicht selten die leichteren Formen annehmen oder gar in der Abortivform vonMuskelzuckungen ohne Bewusstseinsstörung auftreten. In einigen Fällen soll es sich besserbewährt haben als Kalium bromatum, und mindestens als zeitweiliger Ersatz des letzterendürfte Bromäthylen gute Dienste leisten. Er gibt es in öliger Emulsion (5,0 : 100,0 Emuls.

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