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Bernatzik-Vogl's Lehrbuch der Arzneimittellehre : mit besonderer Berücksichtigung der österreichischen und deutschen Pharmakopoe
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A. Neurotica aromatica.

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Therapeutische Anwendung findet der Moschus gegenwärtigbei uns weit seltener wie in früheren Zeiten, hauptsächlich alsein kräftiges, rasch wirkendes Analepticum bei Collaps im Gefolgeschwerer acuter Erkrankungen, seiteuer als Antispasmodicum bei ver-schiedenen Krampfzuständen, zumal im Kindesalter. Intern zu 0,2 bis0,6, 2—3stündl., bei Kindern 0,05—0,2, in Pulvern (mit Saccharum),Pillen, Emuls., Schüttelmixtur. Extern selten im Clysma (0,5—1,0mit Gummischleim oder Stärkekleister), häufiger in kleinen Mengen alsZusatz zu kosmetischen Mitteln (Zahnpulvern, Waschpulvern, Seifen etc.).

Tinctura Moschi, Moschustinctur, Ph. Germ.: 1 Th. Moschusmit 25 Th. Wasser verrieben und 25 Th. verd. Alkohol hinzugesetzt.Pothlichbraun, von kräftigem Moschusgeruch, mit Wasser ohne Trübung-mischbar. Intern selten zu 1,0—3,0 (20—60 gtt.), mehrmals tag!., fürsich oder in Mixturen. Extern häufiger, als Parfüm, zu Räucherspiritus,zu Ohrtropfen etc.

Erwähnenswerth ist das Vorkommen eines auffallenden Moschusgeruclies beieinigen einheimischen oder bei uns häufiger cultivirten Pflanzen, wie Adoxa moscha-te 11 ina, M a 1 v a moscliata, Mimn 1 us moscliatus, Erodium inoschatum; ausden 3 erstgenannten hat Hannon (1853) ein ätherisches Oel dargestellt und zu 2—8 gtt.p. d. als Analepticum gleich dem Bisam empfohlen.

Als Ersatz des Moschus zu Parfumeriezwecken werden neuestens wieder die ausser-ordentlich stark moschusartig riechenden beschuppten Schwänze der Biber- oder Bisam -Ratte (Ondatra), Fiber zibethicus L., und die Moschusdrüsen von Alligatorenaas Nord-Amerika in den Handel gebracht.

Als künstlicher Moschus kommt in der Neuzeit das Trinitr obu ty 1-toluol in gelblichen, bei 97° schmelzenden, moschusartig riechenden Krystallnadeln imHandel vor.

Ambra, eine ihrer Herkunft nach zweifelhafte, ihrer Zusammensetzung nachganz ungenügend erkannte sehr theure Substanz, die früher in der Medicin hoch-geschätzt war, gegenwärtig aber fast nur als Partum benützt wird. Man findet sie abund zu in mitunter ansehnlichen Stücken in verschiedenen Gegenden der Erde auf demMeere schwimmend oder auch am Strande, von den Wellen angeschwemmt, besonders anden Küsten von Afrika, Ost- und Westindien, Süd-Amerika etc., mitunter auch in denEingeweiden des Pottwals (Physeter sp.). Von einigen wird sie für ein dem Castoreumoder Zibeth analoges Secret dieser Thiere gehalten, von anderen für eine krankhafteConcretion oder auch für den Koth derselben; noch andere glauben sie für ein demFettwachs analoges Product faulender Sepien halten zu müssen, welches, vom Pottwalverschluckt, ganz zufällig in seinem Darmcanal gefunden wurde. Thatsächlieh zeigenmanche Ambraproben einen Beichthum von Sepienkiefern.

Die Ambra stellt eine hell-graubräunliche oder mehr aschgraue, nicht selten vondunkleren Streifen und Flecken durchsetzte Masse (Ambra grisea) dar, oder dieseist dunkel- bis fast schwarzbraun (Ambra nigra; angeblich häufig ein Kunstproductaus allerlei wohlriechenden Harzen), matt, undurchsichtig, wachsartig zähe, etwas fettiganzufühlen, in der Wärme der Hand erweichend, in Wasser unlöslich, beim Erwärmendarin zu einer braunen ölartigen Flüssigkeit schmelzend, theilweise in Alkohol, voll-ständig in Aether und ätherischen Oelen löslich. In Masse besitzt sie einen eigenartigen,eben nicht angenehmen, in verd. Zustande dagegen einen lieblichen Geruch. Nach Johnbesteht sie hauptsächlich (85%) aus einem krystallisirbarenFett (Ambrain), nach Bouillon-Lagrange aus Adipocire (53 u / 0 ) und Harz (30V 2 u / 0 ). Von Einigen ist Benzoesäure an-gegeben. Der Träger des Geruches ist gänzlich unbekannt und ebenso fehlt uns jedegenauere Kenntniss über die Wirkung der Ambra selbst. Aeltere Aerzte schrieben ihrbesonders excitirende und nervenstärkende Wirkung zu; von Manchen wurde sie demBisam gleichgestellt oder ihm selbst vorgezogen. Man gab sie in denselben Fällen wieMoschus und verwandte Mittel intern in Pulverform (mit Saccharum verrieben) zu 0,06bi s 1,0 p. d. oder in Form der Tinctura Ambrae (mit Sp. Vin., Sp. Aether. oderAether), allein oder mit Moschus (Tinct. Ambrae compos.). Letztere auch extern zu^ahntropfen, Mundwässern etc., sowie als Parfüm.

Hieher gehört auch das ehemals als Arzneimittel hochgeschätzte Zibeth, Zibc-thuwi, eine salbenartige, gelbliche, mit der Zeit braun werdende Masse von starkemMoschusgeruch, welche sich in einer grossen Drüsentasche zwischen After und Geschlechts-

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