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VIII. Neurotica. Nervenmittel.
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und geschmackgebende, resp. geschmaeksverbessernde Mittel (als Zusatz zu schlechtschmeckenden und riechenden Arzneien, zu Haarölen. Pomaden, Salben, Zahnmitteln,Riechmitteln etc.). Eine Anzahl der hieher gehörenden Drogen sind vielgebrauchteGewürze, andere liefern beliebte Parfüme.
Es werden im nachfolgenden zunächst die wenigen aus dem Thierreiche ent-nommenen, sodann die zahlreichen aus dem Pflanzenreiche abstammenden Arzneimittel,dem natürlicher System folgend, abgehandelt.
267. Moschus, Moschus, Bisam. Ph. Germ. Ein eigenthümlichesstark riechendes Secret, welches sich in einem besonderen drüsigenBehälter (Moschusbeutel) in der Nabelgegend vor der Geschlechtsöffnungbeim männlichen Moschusthier, Moschus moschiferus L., einemkleinen rehähnlichen Wiederkäuer in Centralasien, findet.
Die beste und allgemein als officinell angeführte Sorte ist der Tonquine-sische (Tibetanische oder Chinesische) Moschus, M. Tonquinensis (Tibetanus,Chinensis). Er bildet rundliche Klümpchen einer dunkelroth- bis schwarzbraunen Massevon durchdringendem, eigenartigem, ausserordentlich lange haftendem Geruch undbitterem Geschmack. Der Geruch ist so stark, dass er noch wahrzunehmen ist, wennauf 1 Liter Luft der zehntausendste Theil eines Milliontels Gramm Moschus entfällt.Unter dem Mikroskop mit etwas Terpentinöl in dünner Schicht ausgebreitet, zerfällt derBisam ziemlich gleichmässig schollenartig in durchscheinende, braune, amorphe Splitterund Klümpchen; fremde Körper dürfen daneben nicht vorhanden sein; er darf beimVerbrennen nicht über 8% Asche hinterlassen (Ph. Germ.). Gute Beutel geben 50—60%Moschus. Völlig ausgetrocknet verliert er fast vollkommen seinen Geruch, ebenso, wenner mit verschiedenen Substanzen (Kampfer, Thierkohle, Goldschwefel, Syrup. Amygdalar,Sulfur. praecipitat., Chinin etc.) verrieben wurde; beim Befeuchten stellt dieser sichjedoch wieder ein.
Eine geringere Sorte ist der aus Südsibirien über Kussland in den europ. Handelgelangende Kabardische (Sibirische, Kussische) Moschus, M. Cabardinus (M-Rossicus) von fast pulveriger Beschaffenheit, hellbrauner oder röthlichbrauner Farbe,schwächerem Moschus-, dafür mehr ammoniakalischem Geruch.
Wasser nimmt etwa 50—75°/ 0 , Alkohol 10—12°/ 0 von Moschus auf; noch wenigerals in Weingeist ist er in absolutem Alkohol, Aether und Chloroform löslich. Die alko-holische Lösung wird durch Wasser nicht gefällt.
Der Moschus enthält nach älteren Analysen neben einem eigen-thümlichen flüchtigen Stoffe, dem Träger seines speeifischen Geruchesund seiner Wirkung, Ammoniak, bitteres Harz, Cholesterin, Gallen-bestandtheile, Fett etc. Der Riechstoff ist nicht näher erkannt. Er gehtwohl aus den neben Fetten die Hauptmasse des ursprünglichen Beutel-inhaltes bildenden Eiweissstoffen durch allmähliche Zersetzung hervor undist vielleicht identisch mit dem Riechstoff, der bei der Oxydationmancher ätherischer Oele, wie namentlich des Bernsteinöls, mit Salpeter-säure auftritt (Buchheim).
Die physiologische Wirkung des Moschus ist wenig erforscht. Esliegen nur die Resultate älterer Untersuchungen, zum Theil von Selbst-versuchen (von Joerg 1825, SundeUn 1824, Trousseau & Pideaux) vor.Darnach erzeugt er in kleinen Gaben blos Aufstossen mit Moschus-geruch, in grösseren Gaben (0,3—1,0) Wärmegefühl oder Druck imMagen, manchmal Erbrechen, meist Pulsbeschleunigung, zuweilen Schweiss,vorübergehende psychische Erregung, Eingenommenheit des Kopfes,Schwindel, Kopfschmerz, in einzelnen Fällen nachfolgende Abspannung,Schläfrigkeit und Schlaf (Joerg), in anderen Erregung der Geschlechts-organe (Trousseau und Pideaux).
Manche Autoren (Mitscherlich, Buchheim) erklären die Wirkungdes Moschus als eine reflectorische, indem durch Erregung der Geruchs-nerven eine Erregung der Nervencentren ausgelöst wird.