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Bernatzik-Vogl's Lehrbuch der Arzneimittellehre : mit besonderer Berücksichtigung der österreichischen und deutschen Pharmakopoe
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A. Neurotiea aromatica.

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Viele sind sauerstofffrei, Gemenge von Kohlenwasserstoffen, zumal von solchender Formel C 10 H 16 oder (C 5 H s )n, (sog. Terpene oder Kampfene). andere besitzen da-neben einen sauerstoffhaltigen Anthcil. Einige der letzteren haben den Charakter vonAldehyden (Zimmtöl), andere jenen von Acetonen (Eautenöl), von zusammengesetztenAether-Arten (Gaultheriaöl) etc. Zahlreiche scheiden bei längerer Aufbewahrung oder inder Kälte einen krystallinisclien Bestandtheil (analog manchen fetten Oelen) ab, denman Stearopten oder Kampfer nennt, während der flüssig gebliebene Antheil desOeles als Elaeopten bezeichnet wird. Einige ätherische Oele sind Stickstoff- undschwefelhaltig.

Nur wenige ätherische Oele sind bisher bezüglich ihrer physiologischenWirkung genauer untersucht worden. Bei Berücksichtigung ihrer sehr mannigfaltigenund variablen chemischen Zusammensetzung kann man von vorneherein annehmen, dasssie auch in ihrer Wirkung Unterschiede bieten werden. Allerdings lässt sich auch vielesGemeinsame in ihrem Verhalten zum Organismus nicht verkennen.

Im allgemeinen scheinen, soweit die bisherigen Kenntnisse überhaupt einen Aus-spruch gestatten, die hier behandelten ätherischen Oele sich in ihrer Wirkung einerseitsa n das Terpentinöl (pag. 316), andererseits an den Kampfer anzuschliessen. Eskann daher bezüglich ihrer elementaren, örtlichen und entfernten Wirkung, speciell be-z üglich ihrer Wirkung auf das Nervensystem und die Circulation, ihrer Resorptions- undEliminationsverhältnisse auf diese zwei am besten studirten Hauptrepräsentanten, sowieauf verschiedene andere ätherische Oele, welche, wie z. B. das Eucalyptusöl (pag. 163),das Copaivaol (pag. 323), das Cubebenöl (pag. 558) in anderen Gruppen besprochenWurden, verwiesen werden. Nur einige Gesichtspunkte sollen hier noch im allgemeinenhervorgehoben werden.

Allen kommt wohl eine allerdings graduell sehr verschiedene örtlich reizendeu ßd, wie es scheint, auch eine antizymotische und antiseptische Wirkung zu.

Die Gernchsempfindungen, welche sie veranlassen, sind ausserordentlich mannig-faltig und nicht blos von der Natur des betreffenden Oeles, sondern auch von dem Um-stände abhängig, ob dasselbe in Masse oder stark verdünnt auf die Geruchsnerven zurWirkung gelangt. Nicht selten bietet ein und dasselbe ätherische Oel in stark diluirtemZustande einen lieblichen Geruch dar, während es in Masse nichts weniger als angenehmriecht. Bei länger dauernder Einwirkung auf die Geruchsnerven und eingeathmet könnendie Emanationen ätherischer Oele, besonders in engen geschlossenen Räumen, Kopf-schmerzen, Schwindel, Ohnmacht, selbst Convulsionen und asphyktische Zufälle her-vorrufen.

Von einer Reihe ätherischer Oele ist durch experimentelle Untersuchungen vonBinz und Grisar (1873) u. a. nachgewiesen worden, dass sie bei Kalt- und WarmblüterndieBefl exerregbarkeit herabsetzen, und zwar nicht blos bei normalen Thieren,sondern auch, nachdem dieselbe künstlich durch Tetanica (Strychnin, Brucin etc.) ge-steigert wurde. Am wirksamsten scheint in dieser Richtung der Kampfer zu sein, demsieh dann in absteigender Reihe Oleum Valerianae, Ol. Chamomillae, Ol. Eucalypti undOl. Cumini anschliessen. Bei allen, mit Ausnahme des Eucalyptusöles, geht der Depressionfast stets ein Stadium der Erregung voraus. In schwachen Dosen wirken sie nur vorüber-gehend erregend.

Nach der internen Einführung mehrerer ätherischer Oele hat man eine vorüber-gehende erhebliche Vermehrung der farblosen Zellen im Kreislaufe beobachtet.B. Meyer (1874) fand in Selbstversuchen ihre Zahl nach Zimmt- und Terpentinöl bisa hf das Doppelte vermehrt. Diese Erscheinung wurde (von Siegen) auch nach dem Zer-kauen und Verschlucken von Gewürznelken, Macis und Pfeffer beobachtet. Nur nachPfeffeiniinzöl erschien ihre Zahl vermindert. H. Meyer betrachtet jene Erscheinung alsörtliche Wirkung der zum Theil im Magen verdunsteten Oele auf die Milz, deren dieMal_pighi'sc\im Körperchen dicht umschliessenden Capillaren erweitert werden und aufsolche Weise den Uebertritt ihrer farblosen Zellen in den Blutkreislauf erleichtern.

Wie in ihrer Wirkung, so schliessen sich die hier untergebrachten Arzneimittela uch in Bezug auf ihre therapeutische Anwendung an manche Antiseptica,Amara aromatica, Balsamica und Acria aromatica an.

Verhältnissmässig nur wenige und diese hauptsächlich nur in ihren officinellenPräparaten (Tincturae, Aquae destillatae etc.) werden häufiger ärztlicherseits verwendet,die überwiegende Mehrzahl findet eine ausgedehntere Anwendung nur in der Volks-Medicin. Man macht von ihnen Gebrauch als Excitantia und Analeptica, als Se-dativa nnd Antispasmodica, als Diaphoretic a, Diuretica, als Stoma-chica und Oarminativa, als Balsamica und Expo ctor anti a, als Emmena-g°ga und Galactagoga, als Ru b efaci entia und Deri vantia, als Antis epticau öd Parasiticida. Zahlreiche ätherische Oele speciell sind viel gebraucht als geruch-

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