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Bernatzik-Vogl's Lehrbuch der Arzneimittellehre : mit besonderer Berücksichtigung der österreichischen und deutschen Pharmakopoe
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V. Temperantia.

zuletzt langsame Respiration, sein- rasch zunehmende, in Lähmung übergehende Mattig-keit, worauf der Tod mit oder ohne leichte Krämpfe erfolgt. In einem Falle, wo einErwachsener statt eines Abführsalzes 30,0 Weinsäure, in warmem Wasser gelöst, aufeinmal nahm, trat am 9. Tage der Tod ein (Taylor).

Therapeutisch wird die Weinsäure im allgemeinen wie dieCitronensäure (s. w. unten) verwendet, besonders als erfrischendes unddurstlöschendes Mittel Intern zu 0,3—1,0 m. t. in wässeriger Lösung,stark verdünnt, zum Getränk statt Limonade (5,0:1000,0 Aq. mitSyrupus Rub. Idaei oder einem ähnlichen Syrup), in Pulvern undPastillen; pharmaceutisch zur Bereitung von Molken, Saturationen undBrausemischungen (pag. 32); extern als Streupulver gegen übelriechendeFusssclnveisse (Schottin).

170. Acidum citncum. Acidum Citri, Citronensäure. Ansehnliche,luftbeständige, durchsichtige, färb- und geruchlose prismatische Krystallevon angenehm und stark saurem Geschmack, welche sehr leicht inWasser (1: 0,54) und Alkohol (1:1), schwerer in Aether (1: ca. 50)löslich sind, beim gelinden Erwärmen zerfallen, bei ca. 165° schmelzenund beim Glühen verkohlen.

Die Citronensäure findet sich theils frei, theils an Kali und Kalk gebunden,sehr verbreitet im Pflanzenreiche, besonders, neben anderen Pflanzensäuren, in zahl-reichen sauren und säuerlich-süssen Früchten, am reichlichsten im Fruchtsafte derCitronen und anderer Citrus-Arten, aus welchem sie fabriksmässig in ähnlicher Weisewie die Weinsäure dargestellt wird: ausserdem im Fruchtsafte der Johannis-, Stachel-,Preissei-, Heidel-, Maulbeeren, in den Tamarinden u. a.

In der Wirkung schliesst sie sich an die Weinsäure an, welche siejedoch an Giftigkeit übertreffen soll (Mitscherlich).

Als die wichtigsten A'ergiftungserseheinungeu bei Thieren (Kaninchen) beobachteteMitscherlich anfangs beschleunigte Herzaction und Äthmnng, später meist anfallsweiseauftretende heftige Convulsionen bei herabgesetzter Sensibilität, unfühlbaren Herzschlag,Dyspnoe, grosse Mattigkeit und Tod.

Auch die therapeutische Anwendung ist die gleiche, doch pflegtman, besonders für den längeren internen Gebrauch, die Citronensäurewegen ihres angenehmeren Geschmackes und, weil sie angeblich besservertragen wird, der Weinsäure vorzuziehen. Ungleich häufiger als diekrystallisirte Citronensäure wird der Citronensaft (siehe weiter unten)in Gebrauch gezogen.

Die krystallisirte Citronensäure wird intern zu 0,3—1,0 p. d.in. t. in Pulvern, Pastillen, Saturationen, Brausemischungen und Limo-naden verabreicht. Eine Lösung von 1 Th. Acid. citr. in 12 Th. Aq. ent-spricht im Säuregehalte dem Succus Citri.

Potio Riveri Ph. Germ. Eine ex tempore zu bereitende Saturation von 4 Th.Acid. citric, 190 Th. Aq. und 9 Th. Natr. carbonic. (in kleinen Krystallen). Das früheroflicinelle (Ph. G.) Limonadepulver, Pulvis ad Limonadam (Pulv. refrigerans),ist eine Mischung von 10,0 Acid. citric. in pulv. und ]20,0 Saccharnm mit 1 TropfenOleum aeth. Citri. Zu einem Theelöifel auf ein Glas Wasser.

Extern seltener, im allgemeinen in den weiter unten bei SuccusCitri angeführten Fällen. Sonst auch noch empfohlen in Pulverform oderSolution angeblich als schmerzlinderndes Mittel auf Krebsgeschwüre undals Colutorium bei Zungenkrebs (1—3% Solut); in concentrirterwässeriger Lösung mit oder ohne Glycerin als Pinselmittel zur örtlichenBehandlung der Rachendiphtheritis (Caspäri).

Die frischen Citronen oder Limonen, Pructus Citri, diebekannten Früchte von Citrus Limonum Risso (pag. 222) und der