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Bernatzik-Vogl's Lehrbuch der Arzneimittellehre : mit besonderer Berücksichtigung der österreichischen und deutschen Pharmakopoe
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II. Emollientia.

auf experimentellem Wege das Irrige dieser Anschauung dargetban und gezeigt, dassdas Glycerin an dem bestehenden Eiweisszerfalle nichts ändert, dass es, wenigstens inmedicinalen Gaben, kein Ersparniss im Umsätze stickstoffhaltigen Materiales zuwegebringe, dass ihm nicht der geringste Nährwert!) zukomme. Nach Muiik kann es höchstensdurch seine Zersetzung im Organismus als Heizmaterial dienen.

Kanera (1886) glaubt in Selbstversuchen gefunden zu haben, dass Glycerin dieHärnsäurebildnng vermehrt, den Eiweissumsatz vergrössert und L. Ärnsehinh (1887) willexperimentell gefunden haben, dass durch Glycerin Körperfett erspart wird.

Therapeutische Anwendung: Intern als Nutriens (nachdem Obigen nicht gerechtfertigt) statt Oleum Jecoris bei Scrophuloseund Phthise empfohlen, lieber seinen Nutzen bei Diabetes sind die An-sichten sehr getheilt, indem einige Autoren (Baskam, Marsh, Schnitzenu. a.) Erfolge erzielt haben wollen (in Tagesdosen yon 20,0—50,0 mit1 Kgrm. Wasser und 5,0 Acid. citric oder tartaricum, oder mit Rumoder Arrak und einigen Tropfen eines ätherischen Oeles), während andere(Kussmaul, Killz, Lewin u. a.) sich auf das Entschiedenste gegen seineAnwendung bei dieser Krankheit aussprechen. Sonst wurde es internals Demuleens bei ulcerativen Processen im Darmcanal benützt undneuerdings gegen Hämorrhoidalbeschwerden (zu 2 Theelöffel morgensund abends) sehr gerühmt.

Barton (1881) will durch grosse Dosen in mehreren Fällen von Trichinosis Heilangerzielt haben. Auch S. Merkel (1885) hat es in einem Falle mit Erfolg angewendet.Selbstverständlich kann es sich hiebei nur um Darmtrichinen handeln, auf welche dasGlycerin schrumpfend und tödtend wirkt.

Wichtiger ist die externe Anwendung des Glycerins, zunächst alsDeckmittel und Demuleens im allgemeinen in jenen Fällen, wo manauch von Fetten Gebrauch macht, für sich, mit Wasser verdünnt oderin Verbindung mit medicamentösen Stoffen, sowohl zur Application aufdie Maut, als auch auf Schleimhäute bei den verschiedensten Haut-affectionen in Form von Einreibungen, Bepinselungen, Umschlägenu. s.w., bei entzündlichen Zuständen der Schleimhaut der Nase, desMundes und Rachens, des Kehlkopfes, der Genitalien und des Rectum,zu Pinselungen, Inhalationen und Clysmen, zu Ohrtropfen und Tam-ponaden.

Seit der Anempfehlung von Anacker (1887) und anderen wirddas Glycerin in Form von Minimal- oder Mikroclysmen (pag. 44) zu1,5—2,0 mittels einer eigenen kleinen Spritze bei chronischer Obsti-pation angewendet. Es wird davon der sehr rasche und gründlicheErfolg gerühmt. Doch soll nach Einigen bald Angewöhnung erfolgen.Bei Geschwüren im Rectum ist diese Applicationsform nicht anwendbar.Eben so wirksam und bequemer sind die sehr beliebt gewordenenGlycerinsuppositorien.

Nach Oretirich (1897) bleibt die Wirkung der Glycerinsuppositorien zuweilen aus,wenn das Zäpfchen zu hoch in den Darm hinauf schlüpft, woselbst wegen der grösserenWeite des Darmrohrs und wegen geringerer Sensibilität der Mucosa die örtliche Wirkungzu sehwach ist. Die empfindlichste Stelle derselben ist die unmittelbar oberhalb desSphincter ani; bleibt das Suppositorium hier liegen, so soll stets Wirkung eintreten.Dm diese zu erzielen und das Fortschlüpfen des Zäpfchens zu verhindern, wird dasselbemit einem Bändchen, welches an einem aussen bleibenden Stäbchen befestigt ist, ver-sahen. So armirte Suppositorien nennt (herlach E esselzäpfchon.

Sehr wichtig wird das Glycerin durch sein Lösungsvermögen für verschiedeneund namentlich für manche in Wasser schwerer lösliche wirksame Substanzen. Mit Hilfevon Wärme lassen sich gesättigte Lösungen herstellen, welche auch nach dem Er-kalten die aufgelösten Stoffe nicht ausscheiden und besonders zur Application auf dieHaut in manchen Fällen sehr erwünscht sind (Glyceroles, Glycerolata, siehe pag. 37;.