— 22 —
der Brust trug, in glänzendem Aufzuge im Sommer 1605 in Stuttgarterschien und vom Herzog ungemein gnädig empfangen und mit Ehrenüberhäuft wurde. Dieser Sendivogius erregte nun Müllers, der in-zwischen nach Prag zurückgekehrt war, Neid und dessen Besorgniss,seinen Posten zu verlieren, so dass er beschloss, Sendivogius zu ent-fernen, weshalb er ihn unter Warnungen und Zuflüsterungen über ver-meintliche Gefahren, die ihm von Seite des Pursten drohten, bewog, zufliehen. Auf der Flucht liess nun Müller den Sendivogius festnehmenund im Freihof Kirchheim, wo er selbst wohnte, in einen Thurm sperren.Nach anderthalb Jahren gelang es dem Polen, der meinte, er wäreeigentlich der Gefangene des Herzogs gewesen, allerdings von Müllerselbst begünstigt, der hoffte, seiner gänzlich ledig zu werden, dieFlucht zu ergreifen. Allein nun erfuhr er bald die Wahrheit, und daauch dessen Gattin inzwischen die Hilfe des Königs von Polen in An-spruch genommen hatte, so wurde die ganze Sache klar gelegt undtrug gewiss nicht wenig dazu bei, Müller v. Müllenfels seinem hartenSchicksale zuzuführen. Diese Thatsachen lassen wohl den Inhalt desobcitirten Adelsdocuments, welches auf sein und seiner Voreltern Ver-dienst hinweist, in bedenklichem Lichte erscheinen, da ihm wohlzugetraut worden kann, dass er die massgebenden Kreise in Prag überseine Herkunft täuschte.
Nach Murr hat Müllenfels bei seiner gerichtlichen Vernehmungselbst gestanden, dass er ursprünglich das Barbierhandwerk erlernt hatteund über seine Adels Verleihung die Behörden getäuscht hat (Punkt 8des Protokolls über die Aussagen des Hans Heinrich von Müllenfelsin Stuttgart, ddo. 26. Juni 1606). Insbesondere hat er hiebei (Punkt 27)eingestanden, dass „was er sonsten hin und wieder ausgegeben, dasser ein Bitter, item in Spanien und anderen Orten stattliche Güter habe,sey alles nicht war und ein lauter erdichtet Werk gewesen".
V.
1612—1705.
Mathias trug die Kaiserkrone nur kurze Zeit, von 1612—1619,Nach ihm folgten Ferdinand IL von 1619—1637, dann Ferdi-nand III. von 1637—1657 und Leopold I. von 1658—1705.
In diesem langen Zeiträume begegnen wir mehreren Alchemisten,die von den drei letztgenannten Monarchen und namentlich von