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3) Die Periode der Neugestaltung der organischen Chemiedurch Liehig übte jedenfalls auf den Erwerb des Apothekers einenschädlichen Einfluss.
a) Durch Liebigs chemische Forschungen auf dem Gebieteder organ. Chemie und ihren Einfluss auf Physiologiewurde für die Medicin eine neue Epoche vorbereitet:die medicinisch-physiologische Schule, welche den Arz-neiverbrauch sehr beschränkte. Durch die Unter-suchungen über die thierische Ernährung wurde derArzt auf richtige Principien der Diätetik hingewiesen;wo früher eine stärkende Arznei verordnet wurde, tratnun an deren Stelle eine Tasse Bouillon, ein kräftigesBeefsteak, ein Glas Ungarwein u. s. w.
b) Physiologisch-chemische Forschungen setzten den Arztin den Stand, die Krankheiten sicherer erkennen zukönnen und war der Arzt wenigstens der Meinung, die-selben genau erkannt zu haben; er brauchte deshalbnicht dieses und jenes Mittel zur Heilung der Krank-heit durchzuprobiren, ja er glaubte in den meistenFällen die Heilung der Krankheit der Naturkraft über-lassen zu müssen, um durch Darreichung von Arzneiennicht neue Störungen im Organismus hervorzurufen(wie das in der alten medicinischen Schule häufig vor-kam). Summa, er reichte dem Patienten gar keine Arz-nei, was zur Folge hatte, dass derselbe nach diesemoder jenem Mittel griff, welches ihm vom Geheimmittel-schwindler in appetitlicher Emballage mit grosser Lob-preisung für eine gehörige Zahlung angepriesen wurde.
Jedenfalls trug diese physiolog.-patholog-.med. Schule vieldazu bei, dem Geheimmittelschwindel auf die Beine zu helfen.
Von Frankreich, wo die wissenschaftliche Pharmacie eineZeit hindurch sehr hoch stand, breitete sich der Geheim- undPatentmittelschwindel über die ganze Welt aus und MillionenFrancs flössen dafür in die Kassen der Fabrikanten Galliens undAlbions; man denke nur an die Morrisonschen Pillen, die Morri-son zum Millionär machten und vieler Menschen Leben in Gefahrbrachten. Leider gab es auch leichtsinnige Apotheker genug, dieaus Gewinnsucht diese Mittel unter das Publicum brachten, trotzdem Verbote der Regierungen.
Die Schreckensherrschaft in Frankreich, die einen Lavoisierunter das Henkerbeil der Guillotine liefern konnte, wollte dieMenschheit durch Einführung der Gewerbefreiheit für den phar-maceutischen Stand beglücken, brachte aber gerade dadurch densoliden und hochgeachteten Apothekerstand in schiefe Stellung,so dass der grösste Theil der Apotheker der grossen Nation, stattehrenwerthe Männer zu sein, zu Charlatanen, ja zu Betrügernwurden, denn mit einem gelindern Prädicate kann man dengrössten Theil der Geheimmittelschwindler nicht bezeichnen. Man