44
Nach Wenzel trat Richter auf, der, auf des erstem practischausgeführte Analysen gestützt, ein rein mathematisches Gebäudeaufführen wollte. IL glaubte, dass die Aequivalentzahlen derBasen einen Theil einer arithmetischen und die Säuren einenTheil einer geometrischen Progression ausmachen müssten, so ge-rieth er selbst auf Abwege, indem er Zahlen aufstellte, die weitvon denen, durch die Analyse gefundenen, abwichen. WenzelsEuch wurde nicht gelesen und Richters Ideen, aus den oben an-geführten Gründen nicht verstanden, seine Ideen sogar für Hirn-gespinnste erklärt, bis es dem Schweden Berzelius gelang, derStoechiometrie durch eine klare und practische Auslegung Ein-gang zu verschaffen. Richters Verdienst war es zu zeigen: 1) dassaus einem neutralen Metallsalze das Metall durch ein anderesMetall — dessen Oxyd mehr Affinität zur Säure des Salzes habe— ausgeschieden werden könne, und zwar unbeschadet der Neu-tralität der Flüssigkeit, die das Salz des zweiten Metalls enthält.Qualitativ kannte schon Bas. Valentinus diese Ausscheidung.
2) Dass 1351,6 Th. Silber durch 395,7 Th. Kupfer, oder339,2 Th. Eisen, oder 403,2 Th. Zink ausgeschieden werden,ebenso dass durch die genannten Mengen Eisen und Zink 395,7Th. Kupfer auszuscheiden seien. Man hatte demnach in jederArt von Salzen 2 constante Zahlen, welche die Säure und denSauerstoff darstellen, neben einer veränderlichen Zahl, welche dasGewicht des Metalls ausdrückt. Z. B.
Salpetersäure
Sauerstoff der Base
Metall
677,04
100
1351,6 Silber
do.
do.
395,7 Kupfer
do.
do.
1294,5 Blei
do.
do.
139,2 Eisen
do.
do.
403,2 Zink
Diese Zablen, die unsern jetzigen genauer ermittelten Mischungs-gewichten nahe kommen, wurden durch den Versuch gefundenund den Mischungsgewichten zu Grunde gelegt. Die chemischenAnalysen wurden zu jener Zeit nicht mit der Schärfe, wie heutzu Tage, ausgeführt, mit solcher Genauigkeit, wie sie zur Fest-stellung des Verhältnisses zwischen Metall und Sauerstoff, oderzwischen Base und Säure wünschenswerth gewesen wären; ausdiesem Grunde nahm man oft von einem Metalle verschiedeneOxyde und von einer Base verschiedene basische Salze an, diesie mit Säuren zu bilden fähig seien. Es war besonders Proust,der diese Verhältnisse in ein klares Licht zu stellen wusste unddeshalb mit Berthollet in einen Federkrieg verwickelt wurde, auswelchem er jedoch als Sieger hervorging. Was die Hydrate derOxyde anbetraf, so kannte man sie noch sehr wenig, aus welchemGrunde nach genauer Erforschung derselben manche angenom-menen Oxydationsstufen ausfielen. Am Ende dieses interessantenund für die Erkenntniss der Oxyde erspriesslichen Streites mitBerthollet kam Proust zu folgenden Resultaten: