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1 (1874) Die Perioden der Geschichte der Pharmacie
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traut waren, die den Ameisen gleich am Fortbau des neuen che-mischen Gebäudes arbeiteten; nachdem sie bis jetzt ihre Muse-stunden dem Studio der Botanik zugewandt hatten, widmeten sie sichvon nun an mehr der Chemie und suchten namentlich die neueTheorie auf die pharmaceutische Chemie anzuwenden. Es gingengerade in dieser Zeit die meisten und thätigsten Chemiker ausder Schule der Pharmacie hervor, so dass der gemeine Mann so-gar die Benennungen Chemiker und Apotheker identificirte.

Es stand aber auch zu jener Zeit mit den Bharmaceuten insocialer Hinsicht besser, denn heut zu Tage, wo die Vereinfachun-gen der ärztlichen Verordnungen, die Homeo- und Hydrapathie,die diätetische Behandlungsweise der Krankheiten, der theureAnkauf der Apotheken und noch vieles andere das Geschäft desApothekers weniger lukrativ machen, wo Droguisten und Geheim-mittelkrämer, chemische Fabriken und Mineralwasseranstalten,sehr stark beschnittene Arzneitaxe (namentlich in einigen zumdeutschen Reiche gehörenden Ländern) den Umsatz und Gewinnder Apotheken schmälern.

In dieser Zeit, wo in den pharmaceutisehen Laboratorien diemeisten chemischen Arbeiten ausgeführt wurden und ausgeführtwerden konnten, weil es dem Apotheker nicht darauf ankam,einen Theil seines Gewinnes der wissenschaftlichen Forschung zumOpfer zu bringen, wo ausserhalb der Pharmacie die Chemie nurvon Einzelnen studirt, aber von Wenigen practisch ausgeübtwurde, waren es die Apotheker, die von den Technikern zu Käthegezogen wurden, wodurch sich der Gesichtskreis derselben er-weiterte und sie nicht wenig zur Förderung chemischer Industriebeizutragen berufen waren, ja selbst viele industrielle Unterneh-mungen in das Leben riefen.

Nach diesem kurzen Abschweife aus dem Gebiete der Chemieauf den Vergleich der Pharmacie von damals und jetzt, kehrenwir zur Chemie in die Zeit Lavoisiers zurück.

Bis zum Schlüsse des vorigen Jahrhunderts glaubten die Che-miker die Physik entbehren zu können und die Physiker sträub-ten sich die Chemie als Wissenschaft anzuerkennen, ja sie be-trachten dieselbe nur als ein aller Wissenschaft baares Gewerbe.Wahr ist es, die Chemie war ja vor Ende des 18. Jahrhundertsauch nur ein Haufwerk verworrener, in mystischer Form gegebenerVorschriften zur Herstellung chemischer Präparate, theils behufsDarstellung des Goldes oder des Steins der Weisen (Alchemie),oder zur Herstellung von Arzneimitteln (Jatrochemie), die meisten-theils Arcana (Geheimmittel) blieben. Erst am Ende des 18. Jahr-hunderts beginnt man den Vorgang bei chemischen Operationenin klarer Sprache vorzutragen (Marggraf, Scheele, Klaproth), abererst nach Lavoisier sucht man eine richtige Einsicht in den Vor-gang beim chemischen Processe zu gewinnen, solche Einsicht ge-lang aber erst dann, als man hinreichende Thatsachen gesammelthatte, welche als Grundlage für die theoretische Einsicht dienenkonnten, denn diese mussten die Basis abgeben, auf welcher das