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1 (1874) Die Perioden der Geschichte der Pharmacie
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Von den bedeutendsten Pharmacopoen und Apothekerbücherndes 15. und 16. Jahrhunderts sind zu nennen:

1) Dispensatorium pharniacorura omnium, auf Verlangen desNürnberger Raths von Valerius Üordus um 1540 geschrieben,dasselbe muss als die erste Pharmacopoe Deutschlands betrachtetwerden.

2) Die Augsburger Pharmacopoe, deren Verfasser AdolphOcco ist, erlebte viele Auflagen und enthält die meisten der damalsgebräuchlichen Arzneimittel, deren Zahl die Grösse der heut zuTage in den Pharmacopoen aufgenommenen weit übersteigt.

Die letzte Ausgabe von 1582 enthält schon viele anorganisch-chemische Präparate, Zeugniss vom Fleisse des Paracelsus undseiner Schüler gebend.

3) Compendium Aromaticorum von Saladin von Asculo, erschien1488, letzte Auflage 1502 und war ein Werk, in welchem wirhöchst zweckmässige Vorschriften über Bereitung und Prüfungchemischer wie pharmaceutischer Präparate, ferner eine Beschrei-bung über die Einsammlung und Aufbewahrung von Arzneimitteln,sowie von den Eigenschaften eines brauchbaren Apothekers finden.

Wer über die verschiedenen, im 15. und 16. Jahrhundert er-schienenen Pharmacopoen und Apothekerbücher Näheres einsehenwill, findet einen grossen Theil derselben in Buchners Inbegriffder Pharmacie, Nürnberg 1S22, i? 102 angeführt.

Die Apotheker jener Zeit, die ein mehr wissenschaftlichesInteresse beseelt, wenden sich, da ihnen der ärztliche Druck nichtzusagt, dem Studio der Medicin zu und sind dann meist Arztund Apotheker zugleich, sehen aber ihre Gehülfen und Lehrlinge,welche die mechanischen Arbeiten wie Stossen von Pulvern,Schneiden von Wurzeln u. s. w. ausführen, mehr als Handlanger,denn als Eleven an, deren gediegene Ausbildung ihnen Pflicht ge-wesen wäre, wogegen sie die eigentlichen chemischen Arbeitenselbst ausführen und höchst sorgfältig darüber wachen, dass dieVorschriften zur Darstellung der chemischen Präparate ihr Ge-heimniss bleiben.

Die Principale des 16. und 17. Jahrhunderts, ja noch bis indas 18. Jahrhundert hinein, sind meist noch Alchemisten, d. h.sie suchen noch immer die Goldtinktur oder sie sind Jatroche-nriker, welche durch Verkauf geheimnissvoller Präparate Vorthcilzu erringen suchen (Seignette mit dem Tart natronatus oder SalSeignetti).

Eben so wie die Sprache der Alchemisten eine unklare,geheimnissvolle ist, sucht auch die Pharmacie sich in solcheschwer verständliche Sprache und geheimnissvolle Zeichen zuhüllen; nicht allein jedes Element, sondern auch zusammen-gesetzte Stoffe haben ihre Zeichen; so bezeichnete man z. B.Feuer mit /\, Luft mit ^, Wasser mit \J, Erde mit V> Gol< ^(Sol) mit ©, Silber (Luna) mit ]), Quecksilber (Mercurius) mit$, Kupfer (Venus) mit ?, Eisen (Mars) mit J\ Zinn (Jupiter)