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Ludwig Beckstein erzählt, class, als Paracelsus zufällig mitdem Reformator der Theologie Luther auf der Heise zusammen-traf, er diesen Bruder nannte, indem er sich selbst als Reformatorder Medicin vorstellte (siehe 2. Abtheilung, 15. Jahrhundert).
Paracelsus wandte viele anorganische Präparate als Arznei-mittel an, nachdem er ihre Wirkung auf den Organismus ge-prüft hatte; er nannte solche Präparate Arcana, die voller Kraftund Tugend seien und deren Herstellung Aufgabe der Chemiesei; so führte er viele Präparate des Antimons, Bleies, Eisens,Kupfers und Quecksilbers in den Arzneischatz ein, oder studirteihre Wirkung in Krankheiten, in denen sie noch nicht angewandtwaren. Die Wirkung der Mittel selbst nannte er eine chemischeund deshalb den Magen den inwendigen Alchemisten. Ein Haupt-satz des P. war:
Die Gifte sind bei geschickter Amoendung die besten Heil-mittel.
Paracelsus Anhänger laborirten daher auch fleissig in ihrenLaboratorien, stellten viele neue Metallpräparate dar und .wand-ten dieselben medicinisch au, wodurch der Arzneischatz sehr be-reichert wurde; daher man wol nicht mit Unrecht Paracelsus alsden Begründer der medicinisch-pharmaceutischen Chemie nennt,es war ja die Anzahl mineralischer Arzneimittel bisher eine sehrbeschränkte gewesen.
Diese, die pharm. Chemie, wurde jedoch im 16. Jahrhundertweniger von den Pharmaceuten, sondern fast ausschliesslich vonden, auf den neu errichteten Universitäten ausgebildeten Aerztenausgeübt und vervollkommnet, die Forschungen selbst aber kamendoch den Apothekern zu Gute.
Obgleich schon an vielen Orten Apotheken errichtet waren,so finden wir als Vorstände derselben Zwittergestalten, die Arztund Apotheker in einer Person vereinigen, als Arzt trug diese Per-sönlichkeit einen rothen Rock, auf dem Kopfe die Allongeperrue-que, und in der Hand ein Spanisches Rohr mit goldenem Knopfe;waren die Patienten abgefertigt, so wurde der rothe Rock miteinem Hausrocke vertauscht, ein Schurzfell vorgelegt und nunmit Tiegel und Retorte im Laboratorio hantirt. Erst im 18. Jahr-hundert sehen wir Apotheker, die sich mit Eifer der Chemiewidmen, die medicinische Praxis den Aerzten überlassend.
Die Pharmacopoen, als Gesetzbücher für die Darstellung vonArzneimitteln, mit festgestellten Vorschriften, existirten zwar schonin Frankreich und Italien im 13. Jahrhundert, dieselben wurdenaber erst zwei Jahrhunderte später durch die Jatrochemie bedeu-tend vervollkommnet.
Von den Apothekerordnungen aus dem 15. Jahrhundert isteine der merkwürdigsten die Pariser vom Jahre 1484, welche von denApothekern wissenschaftliche Bildung, strenge Prüfungen und Apo-thekenvisitationen verlangt, dagegen aber auch bedeutende Privile-gien gewährt, nach dem höchst humanen Grundsatze: je mehrwir verlangen, desto mehr müssen wir geben!