Druckschrift 
Fragmente über Recensenten-Unfug : eine Beylage zu der Jenaer Literaturzeitung
Entstehung
Seite
99
Einzelbild herunterladen
 

9A

entschieden, der kein anderes Verbrechen begieng, als daßer vielleicht schlechte Verse machte?

Warlich! der Einfluß einer solchen gehässigen Recen«sion erstreckt sich oft noch weiter, als der eines Urtheils«spruchs. Denn gcstzt, ein junger Mensch würde Einmaltn seiner Vaterstadt, wegen irgend eines lockern Jugend-streiches, zu achttägigem Gefangniß verurtheilt, und seinguter Ruf dadurch beflecket; so verläßt er sein Vaterland,bessert sich in der Fremde, und entgeht so dem Nachtheil,den jener jugendliche Fehltritt auf das Glück seiner Zu-kunft hatte haben können. Aber den Folgen einer hämi-schen Recenfion kann er eben so wenig entgehen, als vor-mals der Ketzer den Folgen eines päbstlichen Bannfluchs.Die Rccension ist so gut, als ein in den HamburgischenZeitungen abgedruckter Steckbrief; sie gebr überall vor ihmher, streut überall Dornen auf seinen Pfad, und wo ecsich nennt, da flüstert man sich ins Ohr:Der Menschist ein Dummkopf; er hat ein Buch geschrieben, das un«ter aller Kritik ist. Wir haben es zwar nicht gelesen,aber dir Literaturzeitung sagt es, und folglich "

Nun frage ich: mit welchem Rechte verwalten dieseverkappten Männer eine solche peinliche Gerichtsbarkeit?- Oer weltliche Richter, der über meine Ehre und meinenDeutel sprechen darf, wird doch vorher sorgfältig geprüft,ob er auch die gehörigen Fähigkeiten besizt; er muß demFürsten und dem Vaterlands schwören, immer nach bestemWissen und Gewissen zu richten; er muß abireten, wenner mit Einer der Parthepen in Freund, oder Feindschaft

E s lebt,