Zur Charakteristik sächsischer Geschichtsaufzeichnungen.
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poäi (88. XVII, 6—9, 14s niedergelcgt ist. Der um das Jahr 1147 in KlosterDisibodcnberg arbeitende Schreiber der Annalen entnahm dem ihm vorliegendenälteren Werke, das ihm besonders auch die ob. S. 437—440 behandelten,zwischen Bischof Walram von Naumburg und dem thüringischen LandgrafenLudwig gewechselten Briefe darbot, eine gegen Heinrich IV. höchst gehässigeDarstellung der Sachsenkriege und des Jnvestiturstreites, die er dann keines-wegs geschickt mit einer zumeist auf die Weltchronik des Marianus aufgebautenRctchsgeschichte verband. Diese von ihm herangezogene sächsische Geschichts-erzählung ist Wohl um 1096 abgefaßt worden").
Ein erstes in Betracht fallendes Stück dieser Färbung steht in denAnnalen zu 1075 über den Ursprung der gravis atgue ksrslis äiscoräia inregno Dbsutonieo, inter regem Üeinrieum 8ei1iest et prineipes 8nxoniLs, daßHeinrich IV. alle Sachsen der Knechtschaft unterwerfen wollte und deßhalb dieHarzburg erbaute, was in den schon Bd. II, S. 862^1 u. 335 n. 36, heran-gezogenen bezeichnenden Stellen ausgesprochen ist. Aus diesen Ursachen —heißt cs weiter — sei die Anlehnung der Sachsen an den römischen Stuhl
— Alexander II. wird noch genannt — erwachsen, worauf Gregor VII. die
Excommunication verhängt habe. Daran schließt sich die Schilderung der
Schlacht bei Homburg (vcrgl. I. o., S. 880). Eine folgende einläßlichere Er-
zählung — nach längeren Abschnitten über die Jahre von 1076 an, in denendie sächsischen Dinge allmählich ziemlich zurllcktreten — ist dann wieder zu 1089
— resp. Weihnacht 1088 — die ob. S. 224 in n. 48 berücksichtigte Vorführungdes Kampfes, den Ekbert gegen Heinrich's I V. Belagcrungstruppe vor Gleichenführte. Endlich ist zu 1093 noch die ob. S. 392 in n. 4, sowie S. 424in n. 12, S. 444 in n. 10, genügend charakterisirte schmutzige Geschichtevon Heinrich's IV. Sohne Konrad und der zweiten Gemahlin Eupraxiaausgenommen.
zum ,unszigiahrigen Toctorjubiläum gewidmet von der historischen Gesellschaft zn Dresden(1894), 71—79. Dianitius führt dazu über diese verlorene sächsische Geschichtsqucllc aus. daßdieXnnalos Rosonlsläonsos, in ihren sehr dürftigen Nachrichten über den Sachsenaufstand<88. XVI, 10V u. 101), dieselbe nicht benutzten, und ebenso wenig hat nach ihm Albert vonStade (Xnnal. 8taäens., 88. XVI, 816 u. S17: vcrgl. besonders ob. S. 893, in n. 4) diesesächsische Darstellung unmittelbar hcrangczogen, sondern eine schon wesentlich veränderteFassung vorgefunden, in einer seiner Quellen, wo dieselbe wahrscheinlich nur theilweiseausgeschrieben war, und dann verwerthct. Auch Helmotd, Lkronioa 81avorum, wo zwarDik. I, o. 27 Do oonstrnotiono Ilartsskoroli. und der Anfang von o. 28 Do publica peni-tontia Iloinrioi rogis <88. XXI, 81 u. 32), mit den Abschnitten der Xnnalos o. visikoäizu 1075 und 1076 große Aehnlichkeit aufweiscn, ist nach Manitius' Ansicht weder von jeneralteren sächsischen Darstellung, noch von den Disibodenbergcr Annalen unmittelbar aus-gcgangen. Vielmehr scheint Helmold eine durch einen anderen Bericht schon wesentlich be-einflußte Quelle, die zwar im Allgemeinen jener Darstellung entsprach, vor sich gehabt znhaben. Dieselbe brachte die Thatsachen schon in anderer Gruppirung und auch in mehrfachveränderter Gestalt; sie reichte wahrscheinlich bis zu den Worten im Beginn von o. 28: inxrvxria rsversi sunt, d. h. bis zur Selbstbefrciung der Sachsen aus der Gefangenschaftnach der Schlacht bei Homburg. Was dann bei Hclmold weiter folgt - Manitius schreibt,77, dieser Erzählung „wahrhaft dramatische Wirkung" zu—, von Heinrich's IV. Aufenthalt
(gemeint ^ist selbftverftLndlich^ischo^°Wernhc/lI.1^nach^Rom eilt, um den ^ber alleinDeutschland geschehenen Dinge ganz unwissenden König — äiu oussitum rsxom invsnitjntsr momorlas martirum äsvorsantsni — über Rndolf's Wahl als Gegenkönig zuunterrichten, worauf Heinrich IV. zurückkehrt — Dotati sunt äs inspsrato aävontn prin-oipis oninss oivitakss lioni ot univorsi <zui lavokant Porti eins — und Rudolf imGottesgericht zn Grunde geht, und so weiter bis zu den von Sympathie für den Kaisererfüllten oo. 32 und 33: vsjootio Iloinrioi impsratoris — all das ist sagenhaft und beruhtWohl auf einer späteren örtlichen Tradition, die aber ganz von der früheren Heinrich IV.so abgeneigten sächsischen lleberlieferung abweicht: der alte Groll im Volke ist verschwundenund hat unbefangener Gerechtigkeit Platz gemacht. „ ^
6) H. Herre, Jlsenburger Annalen als Quelle der Pöhldcr Chronik <LciPztger Dissert.,1890), 80, und Manitius, 1. o., 72, schließen, daß die sächsische Darstellung nicht bis zur Ab-setzung des Kaisers reichte, sondern Wohl um 1096 verfaßt wurde. Manitius macht daraufaufmerksam, daß die Xnnalos s. visikoäi zn 1105 und 1106, zwar mit nothwcndiaenAenderungen und Auslastungen, zu den hier Heinrich IV. freundlich gesinnten XnnalosRosont'oläsnsos griffen. Hätte die kaiserfeindliche Darstellung, aus der die Xnnalss s.visikoäi beruhen, noch über 1096 hinaus gereicht, so wäre der Diftbodenberger Annalistbestimmt nicht zu dieser Auskunft gezwungen gewesen. Gundlach, Heldenlieder der deutschenKaiferzeit aus dem Lateinischen übersetzt, III, 247, den ein Heinrich IV. günstiges Urtheildes Difibodenbergcrs zu 1106 überraschen mußte, übersah diesen Umstand.
7) Unter der imiaa st äiloota Domini ^ponsa, welche die Häretiker entehren, ist dieKirche zu verstehen.