Schreiben Heinrich'sIV., Nrban's II. an Herzog Almus, König Coloman. 477
folgten und, die Hirten ihres Heiles preisgebend, den Spurenfremder Heerden anhingen. Coloman soll den Eifer des frommenKönigs Stephan sich zum Muster nehmen und den ApostelfürstenPetrus und Paulus Gehorsam leisten, die von Stephan festgesetzteUnterwerfung unter die römische Kirche treu beobachten. Kein Giftder falschen Apostel, die in die heilige Kirche eingedrungen sind,mag Coloman verderben, keine Verkehrtheit ihn von der wahrenReligion abführen. Unter Aufzählung aller von Seite des Ketzer-führers Wibert vorliegenden Verschuldungen wird dann vor diesemvon allen Rechtgläubigen excommunicirten und verurtheilten Dieb undRäuber gewarnt; ebenso nimmt der Papst an, Coloman sei gleichfallsbekannt, was Gottes Gerechtigkeit gegen Heinrich, den Urheber allerdieser Ungerechtigkeit und Vermessenheit, herbeigeführt habe: er seider öffentlichen Beschimpfung ausgesetzt, von seinen Allernächsten,selbst vom eigenen Sohne, wegen seiner verabscheuenswerthenThaten verflucht und geschieden, und schon habe er jenen haupt-sächlichen Theil seines Reiches, durch den er der römischen Kircheunablässig zusetzte, eingebüßt. Nochmals wird im Weiteren überdie Entfremdung Uugarn's vom Gehorsam gegen den apostolischenStuhl geklagt: allerdings glaubt der Papst nicht, daß Colomanzur Zerstörung des Gewandes seines Volkes durch die göttlicheGnade erhoben worden sei. Urban II. richtet also an den Königdie Ermahnung, daß er einwillige, wenn zum Heile Uugarn's undzum Unterricht seines Volkes Stellvertreter des apostolischen Sitzesdorthin abgeordnet würden. Zugleich wurde damit die Absendungdes schon genannten Abtes Odilo nach Ungarn angekündigt ^).
Wohl kaum hätte es dieser Abmahnung von Seite des Papstesbedurft, um König Coloman davon abzuhalten, in den Gang desKampfes für Heinrich IV. einzugreifen. Der Durchzug der Theil-nehmer am Kreuzzuge durch das Land Donau abwärts nahm dieUngarn fortwährend so in Anspruch, daß eine Kraftentfaltuug inanderweitiger Richtung ausgeschlossen erschien.
Doch für Heinrich IV. begann jetzt nach einer anderen Seitehin ein Ausweg sich zu öffnen.
Der Kaiser hatte zu Padua, am Lichtmeßtage, auf Bitte desErzbischofs Liemar, in Anerkennung der hinter den LeistungenAdalbert's nicht zurückbleibenden Anstrengungen in Dienstdarbringung,auf dessen Bitten, unter Mitwirkung des Bischofs Erpo von Münsterund anderer Bischöfe und mehrerer Fürsten, mit Hülfe des zwarnicht selbst anwesenden Papstes Clemens III., an die Kirche vonHamburg die Grafschaft, die Graf Bernhard im Emsgau und inWestfalen besessen hatte und die schon 1063 an Adalbert gegeben,
22) 4. 5662 ist an den äilsetus in 6bri8to ülius . . . inagniüens Illlgaro-rum rex gerichtet. Die prineipulm UIu rsgui 8ui par8, psr guam Romauuseoelsmus ineububut (8v. Heinrich IV.), die dieser durch Gottes Barmherzigkeitund Richterspruch verloren habe, ist jedenfalls die Machtstellung in Italien,besonders im tuscischen Lande.