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4 (1903) 1085 bis 1096
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1095.

völlige Trennung eingetreten sein. Die von Anfang an ganz un-natürliche, einzig auf rein äußerlichen Berechnungen aufgebauteVerbindung mußte ein Ende nehmen, als von wölfischer Seite dieErkenntniß gewonnen wurde, daß die Hoffnung, die Güter derMathilde anzutreten, eine irrthümliche Rechnung gewesen sei.Bernold freilich führte die Lösung der Ehe darauf zurück, daßWelf die Versicherung abgegeben habe, Mathilde sei von ihm völligunberührt geblieben, etwas, was sie selbst zwar stets verschwiegenhaben würde, wenn es bloß nicht von ihm dergestalt unüberlegtzuvor bekannt gemacht worden wäre: so sei Welf vollständig vonder Ehe mit der Herrin Mathilde zurückgetreten. Danach erzähltdieser Bericht im Weiteren, daß der ältere Welf von Zorn erfülltnach der Lombardei gekommen sei, wo er sich lang und viel umeine Aussöhnung bemühte, aber ohne Erfolg, und sichtlich mitWiderwillen muß Bernold dann erwähnen, der Vater Welf's habeda sogar „den Heinrich selbst" — den von der Kirche aus-geschlossenen Kaiser — zu seinem Beistände gegen die GräfinMathilde genommen, damit diese, trotz der allgemein über die Ehedes Paares bekannt gewordenen Umstände, seinem Sohne ihreGüter zu geben gezwungen werde; aber Alles sei, ungeachtet langedauernder Bemühungen, fruchtlos gewesen^).

Diese Störungen der Bundesgemeinschaft zwischen dem wöl-fischen Hause und Papst Urban II. werden es gewesen sein, diegerade jetzt den Kaiser ermuthigten, wieder angriffsweise gegen dieGräfin Mathilde vorzugehen. Mit dem Aufgebote der Bürger vonVerona legte er sich vor die in einiger Entfernung südlich von derStadt liegende feste Burg der Mathilde Nogara, um sich endlichdieses wichtigen Platzes zu bemächtigen. Aber kaum hatte dieGräfin das vernommen, als sie mit den zur Hülfe herangerufenenLeuten von Modena den Po überschritt und über Governolo zumEntsatz von Nogara heranrückte. So wurde Heinrich IV. noch inder gleichen Nacht, wo Mathilde in Governolo weilte, gezwungen,die Belagerung aufzugeben und sich eilig zurückzuziehen. Der Ver-

18 ) Bernold erzählt (461) eben vor der bei u. 5 benutzten Nachricht vondiesen Dingen in den oben im Texte gegebenen Ansdrücken. Die Historia^Veltoruin ^singartousis, e. 14, begnügt sich zu sagen: Nabtiläaw . . . tamsupostoa, uosoio guo iutsrvsuiouto äivoroio, rspuäiavit (88. XXI, 462); aberBernold deutet genügend an, worauf es den Welsen eigentlich ankam: ntipoain (so. die Gräfin) bona, suu tilio eins äars oowpellorst (so. der ältereWels), guamvis uonäum illum in maritaii opsrs coguosoerst. Bergl. schonob. S. 274 in n. 68. Overmann, I. o., 245 u. 246, zieht sicher den richtigenSchluß: „Der Gräfin mochte diese Lösung ganz erwünscht sein: sie und mit ihrdie kirchliche Partei hatten ja bereits den Nutzen aus der Verbindung gezogen,und wenn auch die Trennung der Ehe dem Kaiser zu Gute kam, der nun nachVersöhnung mit den Welfen wieder über die Alpen nach Deutschland zurück-kehren konnte, so waren doch die Vorteile, die die Vereinigung der kirchlichen,mathildischen und wölfischen Interessen zu Anfang der neunziger Jahre derpäpstlichen Partei gebracht hatte, nicht mehr rückgängig zu machen".