Schriftenwechscl zw. B- Walram v. Naumburg u. B. Herrand. 439
keit — und so setzen sich die Beschimpfungen gegen den Schreiberdes Briefes fort. Hernach nimmt die Antwort die Form einereigentlichen Verkündigung") an: „Hören mögen, nicht Du, derDu Ohren hast und nicht hörst, der Du Augen hast und nichtsiehst, der Du das Licht, das in Dir ist, zu Finsterniß gemachthast, hören mögen, sage ich, alle Einsichtsvollen, die Ohren zumHören haben". Herrand stellt fest, daß Walram zur Unterwerfungunter den Herrn Heinrich, den sie den Kaiser nennen, einlade. Aberin längerer Ausführung soll nun bewiesen werden, daß nach demWorte des Apostels, daß alle Gewalt von Gott sei"), Heinrich IV.gar nicht als König angesehen werden könne, und es folgen jeneVorwürfe, die die Gegner des Kaisers auf ihn häufen. Dem Ver-brechen wird Recht gegeben. Recht und Unrecht, Göttliches undMenschliches durch einander gegossen. Gegen den eigenen Leibwird gesündigt und die eigene Ehefrau in unerhörter Weise preis-gegeben"), und diese unnatürlichen Versündigungen führt dannHerrand noch weiter aus; von den unzähligen anderen Verbrechen,Verbrennungen von Kirchen, Plünderungen, Mordthaten, Brand-stiftungen, Verstümmelungen, will er gar nicht sprechen. Nur noch,was der Kirche zu Leide gethan wurde, soll aufgezählt werden.Wer geistliche Würden verkauft, ist ein Ketzer; Heinrich aber, densie König nennen, hat Bisthümer und Abteien verkauft. Jetzt wirdzusammengerechnet: Constanz, Bamberg, Mainz wurden für Geld,Regensburg, Augsburg, Straßburg für das Schwert, die AbteiFulda für den Ehebruch, Münster, was zu sagen und zu hörenvollends Frevel sei, für sodomitische Unzucht verkauft"). Also istHeinrich ein Ketzer, und dafür ist er vom apostolischen Stuhle ausexcommunicirt und vermag nicht über solche, die katholisch sind,Reich und Herrschaft in der Hand zu behaupten. In ähnlicherWeise will Herrand von dem Vorwurf des Hasses nichts wissen,weil die Feinde der Kirche gehaßt werden müssen, weil sie Gottes,nicht weil sie der zu solchem Haffe Verpflichteten Feinde sind.Ebenso wenig kann man mit denjenigen, die Gott entgegen sind,Frieden halten; denn der Friede, den der Teufel hat, der Friede,der grausamer als alle Kriegführung ist, verdient nichts als Ab-scheu. Ferner ist, daß Walram Gregor VII., Rudolf, Ekbert alszum schlimmsten Ausgang verurtheilt hinstellte") und dagegen
") Ewald, I. o-, 27, bezeichnet die Wendung von den Worten: Xuäirmt,von tu (sto.) an (288) als ein „landgräfliches Manifest".
") In Anknüpfung an Roman., XIH, l.
") Vergl. die betreffenden Worte schon ob. S. 424 in n. 12.
") Gemeint sind die Bischöfe Karl, Hermann, Erzbischof Wezilo, dieBischöfe Gebehard, Siegfried, Thiepald, Abt Ruozelin, Bischof Erpo.
") Dümmler sieht hier (289, n. 5) einen Zusammenhang mit der Mit-theilung in den Xnnal. Vugnst., n. 1090: In Laxonia elsrious guiäam, utxutabatur äskunetus, raptus nä inksros, post triäuum reversns, ssntsntiamguam äs tormsntis tlrsgorii ssptimi rsgnlornmgns Ruoäolü st Rsrimannimnltorumgus prnstulorat, mortis suas prasssZio aliarumgus rsrum inäitüsakürmabat (88. III, 133).