als Ketzer behandelt und betrachtet werden; niemanddurfte ihn anerkennen, niemand Gemeinschaft mit ihmhaben, und selbst ihn zu hören, wurde schon minde-stens für abgeschmackt gehalten.
So hat der Kriticismus unserer Schule sich fort-gebildet. Es ist ihm gelungen, die Kunst zu richten,zu einer Nichtknnst zu machen, und despotisch kanner jetzt köpfen und leben lassen. Der Erfolg warvorauszuschcn. Da die Kritik sich der Kunst selbstnicht angenommen, da sie es bei dieser negativenSünde nicht hat bewenden lassen, sondern auch posi-tiv gefehlt, einseitig gelobt, einseitig getadelt hat,und da dieses einseitige Loben und dieser einseitigeTadel immer zufällig Künstler gewisser Gegenden undProvinzen traf; da, insbesondere dieses Lob, wie mitAbsicht, ans die Entstehungsgeschichte des gelobtenGegenstandes, was doch bei der Malerkunst ebenfallsein Augenmerk der Kritik sein muß, gar keine Rück-sicht nahm, wohl aber Sachen erhob, die, unter dasrichtige Objcctivglas gehalten, sogar getadelt werdenmußten, da eben dieses Lob und aller Tadel niemalseinen zureichenden Grund in sich trug, sondern sichnur ans Anführungen stützte, gegen die sich hundertandere Anführungen machen ließen: so hat sie ammeisten dazu beigetragcn, daß die Jntrigucn der Schule,welche als rcichsknndige auch ihr bekannt waren, derheiligen Sache noch verderblicher wurden. Sie hatdiese Seite des Künstlerlcbens, für welches sie dieversöhnende Göttin sein sollte, noch mehr hernntcr-gewürdigct, sie hat manches Genie um die schönenHoffnungen betrogen, auf welche cs gegründete An-sprüche hatte, und manches Talent zu eitel gemachtund auf immer von weiterem Streben entfernt.