Druckschrift 
3 (1838)
Entstehung
Seite
38
Einzelbild herunterladen
 

38

rmgcfnhrt, in cincm cigencn Hause eingerichtet; undvermöge regelmäßiger Unterrichtsstunden und gelegent-licher Aushülscn bei musikalischen Vorstellungen erwarbsie sich bequem so viel, als ihre Beschützerin mit Rechtfür hinreichend zu einer recht anständigen Unabhängig-keit erachtete.

Nun war aber bei diesen Einrichtungen wirmuffen hier etwas znrnckgehe» eine unermeßlicheSchwierigkeit zu überwinden gewesen, welche ans dereinen Seite das Gewissen, ans einer andern das Ge-fühl in den Weg schob. Mrs. Lcslic übersah sogleich,daß, wenn man nicht Alicens Unglück verhehle, alleTugenden und alles Talent der Welt ihr nicht möglichmachen würden, den einen Fehltritt ungeschehen undvergessen zu machen. Mrs. Lcslic war eine Frauvon ernster Wahrheitsliebe und strenger Rechtlichkeit,und sic sah sich in ein ängstliches Schwanken verwickeltzwischen der Pflicht und zwischen der Grausamkeitaufrichtiger Geradheit. Sic fühlte sich nicht im Stande,die Verantwortlichkeit hier zu handeln, auf sich zunehmen; und nach vielem Besinnen beschloß sic ihreBedenklichkeiten einem Mann anzuvcrtrancn, der, nachAllcm was sic von ihm wußte, inr günstigsten Rufemoralischer Würde und religiöser Heiligkeit stand.Dieser Ehrenmann, seit kurzem Wittwcr, lebte in derVorstadt eben da wo Alice künftig ihren Wohnsitz ansischlagen sollte, und befand sich zufällig eben damalsauf Besuch in der Nachbarschaft von Mrs. Lcslic. Eswar ein reicher Mann, ein Bankier; er hatte einmal