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Otto von Freising : sein Charakter, seine Weltanschauung, sein Verhältniß zu seiner Zeit und seinen Zeitgenossen als ihr Geschichtsschreiber ; aus ihm selber dargestellt ; eine von der philosophischen Facultät der Ludwig-Maximilians-Universität zu München gekrönte Preisschrift
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bcn hincingedacht werden muß, und dann hat man einGanzes vor sich, das nicht so verächtlich anssieht. Dasachte Buch ist also im Sinne Otto's als historisches undnicht als theologisches Werk zn betrachten, in dem er dieGeschichte der letzten Tage der Menschheit zusammcnfaßtnach den Anhaltspunkten, die ihm die heilige Schrift überWeitende, Gericht n. s w. darbietet. Anfangs sicht es aus,als habe Otto einem Zeitgenossen der letzten Wirren dieAusschreibung derselben, zu der Wohl Niemand mehr Mußefinden wird, zu ersparen sich gedrungen gefühlt, damit dieMenschheit doch eine ganze Weltgeschichte mit in den Him-mel hinübcrbrächte, aber diese anscheinende Naivität enthältden schönen, weil im Ganzen liegenden, Gedanken, daßhier am Ende der Zeiten alle mannigfach verschlungenenKnoten des menschlichen Elends sich lösen müssen. Dieß istder einzige Punkt, wo die Behauptung Otto's, daß er eineTragödie schreiben wolle °"), in etwas mit dem Begriffeder Tragödie zusammentrifft. Sonst hat dieses Wort mitder Bedeutung der antiken Tragödie, von der Otto kaumeine Ahnung hatte, nichts gemein. Es heißt ihm nur soviel als: Spectakel des menschlichen Elends.

§. 3. Auswahl, Anordnung und Verthrilung des historischenStoffes.

Otto's historisches Talent zeigt sich auch vornehmlichin der Art und Weise, wie die Geschichte in die acht Bücherseiner Chronik und in die zwei über Friedrich I. verthcilt ist.Er schließt stets mit einem passenden Abschnitte und wärein unserer Zeit gewiß nicht so verlegen, wo er das Mittel-alter zu schließen und die neuere Zeit zn beginnen habe.Zuerst nimmt er nach der Vision Daniels vier Hauptreiche

- 2 °) Ilrsr. S. 5.