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Otto von Freising : sein Charakter, seine Weltanschauung, sein Verhältniß zu seiner Zeit und seinen Zeitgenossen als ihr Geschichtsschreiber ; aus ihm selber dargestellt ; eine von der philosophischen Facultät der Ludwig-Maximilians-Universität zu München gekrönte Preisschrift
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alle Frage in den Himmel und die Andern haben schon da-rum Lust, ihn nach Kräften zu verdammen. Da muß esinteressant sein, einen Mann wie Otto über ihn zu verneh-men. Daß er Bernhard's Heiligkeit und alle übrigen Vor-züge anerkannte, haben wir schon oben mitgctheilt; er machtuns aber auch ungescheut mit zwei Fehlern Bernhard's be-kannt, für deren Mitthcilung wir ihm vielen Dank schuldigsind, mit Bernhard's Heftigkeit (ellristiunas religiösIdrvors ^alotypus) und Leichtgläubigkeit ^°°). Otto ist aberedel genug, dem ohne Zweifel großen Manne diese beidenFlecken bloß als Charakterfehler anzurechnen.

Man ist es sonst gewohnt, einen katholischen Bischofüber Häretiker nicht am glimpflichsten sprechen zu hören undhält hier wohl auch starke Ausdrücke und Uebertrcibungenseiner Pflicht zu gut, und dennoch kann man zur Ehre desGeschichtschreibers Otto bekennen, daß die harten Stellen,die sich bei ihm über Arms finden, die ersten, letzten undeinzigen der Art in seinen Schriften sind ^).

§. 4. Otto's Unparteilichkeit gegen die Frcinkischen Kaiser.

Die glänzendste Stelle der Unparteilichkeit Otto's müs-sen wir die nennen, wo er zu erkennen gibt, daß niemalsvorher einem Römischen Kaiser so etwas Trauriges begeg-net sei, wie Heinrich IV. im Kampfe mit dem Papste, derBannfluch "°). Das Herzbluten Otto's bei dieser Stelleist so deutlich unterdrückt, daß man, auch wenn man esnicht wüßte, daran denken müßte, Otto sei mit dem unglück-

Oost. Vi-. I. 47. Mur. 678.

(Uirou. IV. 3. Ilrst. 82.8puroissiiuus prosb^lsr . . .uepluuulissiiusin Iiservsiiu couUiäit."

k-k8t. Vriä. I. 1. 6liron. VI. 35. Urst. 137.