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Otto von Freising : sein Charakter, seine Weltanschauung, sein Verhältniß zu seiner Zeit und seinen Zeitgenossen als ihr Geschichtsschreiber ; aus ihm selber dargestellt ; eine von der philosophischen Facultät der Ludwig-Maximilians-Universität zu München gekrönte Preisschrift
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Verfolger; diese versperren ihm die Aussicht, die freien Blickein's Heidenthum.

Seiner ganzen übrigen Weltanschauung nach ist zu er-warten, daß Otto aus der Geschichte einen ganz andernTrost schöpft, als wir darin zu suchen gewohnt sind. Wirtrösten uns mit dem Besserwerden, mit dem Fortschritte derGeschichte, Otto tröstet sich mit dem constantcn Elenddes menschlichen Lebens, das in früheren Zeiten so gut aufder Menschheit gelastet habe, wie in seiner Alles

ist da traurig und düster. Er malt nichts schwärzer, alses ist, aber er sucht die Schattenpartieen, dieses ewige Zer-fallen und Vergehen fleißig hervörzuhcben, ohne zu beden-ken, daß dieser Schattenseite eine Lichtseite entspricht. Merk-würdig ist, daß Otto in dieser melancholischen Betrachtungder Weltgeschichte, die er so rechtox gmarituclina animi",wie er selber sagt, niedcrgeschrieben hat, einem Mannegleicht, mit dem er sonst in aller Welt nichts zu thun hat,dem Franzosen Voltaire. Welcher Kontrast, sich hierinFrivolität und Ascese die Hand reichen zu sehen! Wir wol-len Otto ein wenig durch sein Jammerthal geleiten. DieBesieger Troja'sbeklagt er"°). Der Tod deS Cyrus"Hmuß ihm ganz besonders dazu dienen, seine Leser zur Weltver-achtung aufzufordern, der er ganze Kapitel widmet "°).Der Tod des Mithridates wird in demselben Sinne ausge-beutet"°). Rom, behauptet er, war nie ohne Unglück undElend "o), und doch meint er, die Römer hätten all' ihr

6I,rori. krol. librl II.

Llii-oii. I. 26. Ilrst. 19.

"7) 6Iiron. II. 14. vrsl. 30. Hier, meint er, könne man dasmenschliche Elend mit Händen greifen.

"ch Z. B. I. 32. V. 36. vrst. 117.

"2) Oiiron. II. 45- Vrsd. 47.

Lliron. ll. 30. IIr5i. 36.