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Otto von Freising : sein Charakter, seine Weltanschauung, sein Verhältniß zu seiner Zeit und seinen Zeitgenossen als ihr Geschichtsschreiber ; aus ihm selber dargestellt ; eine von der philosophischen Facultät der Ludwig-Maximilians-Universität zu München gekrönte Preisschrift
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Mann, der Alles hatte, was des Menschen Herz erfreut,Bildung, Macht, Reichthum re., der Welt so finstere Blicke zu-wirft, und doch im Grunde so voll von Liebe, Frieden,selbst Gutmüthigkeit ist; aber das ist das Charakteristischeder Bildung des Mittelalters, daß cs die schroffsten Gegen-sätze ungetrübt und ungelöst in einem und demselben Herzenliegen lassen konnte, .während in der modernen Zeit dieSchwachen einen Th eil fahren lassen, um den andern zucultiviren, die Starken hingegen die Vereinigung der Ge-gensätze zur Harmonie mit aller Kraft des Geistes anstrebenund sicherlich am Ende auch bewerkstelligen werden.

Die göttliche Providenz Otto's ist von der, wieman sich dieselbe in gebildeten christlichen Kreisen jetzt denkt,noch ziemlich verschieden. Er zieht sie zwar gegen den Ge-brauch der Schriftsteller des Mittelalters nicht gerade zu oftin seine Geschichte herein, aber wo sie einen Knoten zu lösenherbeigerufen wird, erscheint sie fast immer mit der Straf-ruthe in den Händen, um durch Krankheit, Unglück, jähenTod re. über die Menschen Standrecht zn halten. Daherdarf sie auch bei Otto nicht sehr häufig auftreten, um denEffekt nicht zu schwächen. Sie übt das alttcstamcntlichejus talionis, aber nur in außerordentlichen Fällen und niein der cruden Weise als ckous ox msollins. So setzt Ottodem blutdürstigen Ninus, der nach ihm zuerst den Krieg indie Welt Angeführt hat, die Grabschrift:Omnis, gut sooo-porit Alsckium, Alsckio poribit" (Nsttli. 26.) "H. Der tra-gische Tod des Cyrus ist ihmros mirsncks so misorsncks,noo lstsli ovontui sock ckei oooultis juckioiis iribuencks" "H. Das Schweigen und die Finsterniß der Zeit zwischen Chri-stus und den Machabäern ist ihm erklärlich; das kommende

t'°) Linon. I. 7. vrst. 13.

Lkron. II. 14. vrst. 30.