79
gefiel ihm und er wünschte nun deren Verfasser zum eigenenGeschichtschreiber zu haben. Da konnte Otto nicht widerstehen.Der Traum vom Weltfrieden schien ja durch Friedrich neuer-dings verwirklicht zu werden, so kräftig, so herrlich regierte er.Otto war ganz für ihn eingenommen. Zudem mischt sich indieses äußere Motiv auch hier wieder ein innerliches, christlichasketisches, denn Otto ist der Ansicht, daß es von den Kö-nigen heiße: „tibi soll pooeavi", wie David gesungen habe,d. h. daß sie irdischen Gesetzen überhoben und nur Gott einBckenntniß ihrer Sünden schuldig seien, daß sie aber darumauch um so ernster ihr Ohr der Zusprache der Geschichteleihen müßten °°). So läßt sich Otto zum zweitenmale fürdie Geschichtschreibung begeistern, dießmal für die GeschichteFriedrich's I. Denn mit offenbarer Begeisterung geht eran's Werk, er will ein ganzes volles Bild von seinem Kai-ser liefern, darum verlangt er von demselben, noch ehe eran die Arbeit geht, eine Darstellung der fünf ersten Regie-rungöjahre von seiner eigenen Hand, wie sich auch diesesguingueimium in den Manuskripten vorangeschrieben findet.Mit Begeisterung schließt Otto diese seine zweite historischeAufgabe, denn er verlangt dafür keinen anderen Lohn, alsdaß der Kaiser seine Hoffnungen rechtfertige und dieß auchdarin zeige, daß er seine Freisinger Kirche kräftigst beschützeHier dürfte es auch am Platze sein, anzugeben, was Ottofür einen Begriff von Geschichte (lüstorio) hat. Er ist zwarmangelhaft und nach den modernen Ansichten von Geschicht-schreibung nicht ausreichend, aber anderseits trifft er schondarum den Kern der Sache, weil er antik ist. Ist er ein-seitig, so ist diese Einseitigkeit eine antike. Er geht dahin:„antiguorum mos luisso tiaäitur, ut illi, gui ros ipsas,
Dedicatwiu Domino suo Driäsrico oto. IIr8t. S. 5.Nsiclioldeoli, Iiist. tris. 3t?. I. k. I. S. 341.