„Nein," sagte er, als sie zurückwich, „bedenke, daßDu jetzt in der Gewalt eines Mannes bist, der nie in derVerfolgung, selbst eines ihm mindern theuern Zweckes,als Du ihm bist, sich irre machen ließ. Dein Liebhaber,so anmaßend er ist, ist doch nicht bei der Hand, Dich zuretten. Mein bist Du; aber statt Dein Herr laß michDein Sklave sehn."
„Fürst," sagte Viola mit strengem Ernst, „EuerRühmen ist umsonst. Eure Macht! Ich bin nicht inEurer Macht. Leben und Tod stehen in meiner eigenenHand. Ich will Euch nicht trotzig heransfordern; aberich fürchte Euch nicht! Ich fühle — nnd in manchenGefühlen," fuhr Viola mit einer herzergreifenden Feier-lichkeit fort, — „liegt alle Stärke und alle Göttlichkeit desWissens, ich fühle, daß ich sogar hier sicher bin l aber Ihr
— Ihr, Fürst von-, Ihr habt Gefahr über Euer
Haus und Euern Herd gebracht!"
Der Neapolitaner schien betroffen über einen Ernstund eine Kühnheit, ans die er nicht vorbereitet war. Erwar jedoch ein Mann, der sich nicht leicht einschüchteruoder von einem einmal gefaßten Vorsatz abschreckeu ließ;und Viola sich nähernd, stand er im Begriff, mit vieler,wirklicher oder erheuchelter Wärme zu antworten, alsman au die Thüre des Zimmers pochen hörte. Der Lautward wiederholt, und der Fürst, erzürnt über die Störung,öffnete die Thüre und fragte ungeduldig, Wer cs gewagthabe, seinen Befehlen zuwider zu handeln und seine Mußezu unterbrechen. Mascari stellte sich dar, bleich und un-