Druckschrift 
4 (1841)
Entstehung
Seite
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zwanzig Jahre alt. Trotz der Zärtlichkeit ihrer Poesieund ihrer Gemüthsart war ihr Ruf fleckenlos. Sie warnie verliebt gewesen. Leute, die viel beschäftigt sind, ver-lieben sich nicht so leicht; zudem war Madame de Mer-ville anspruchsvoll, wählerisch, und wünschte Helden zufinden, wo sie nur hübsche Dandys oder häßliche Autorenfand. Ileberdies war Eugenie auch eitel und stolz eitelaus ihre Celebrität und stolz auf ihre Geburt. Sie wareine Frau, deren Hcrzensgüte sie immer trieb, das GlückAndrer zu befördern. Sie war nicht nur großmüthig und'mildthätig, sondern geneigt, den Menschen ebenso mit Ge-fälligkeiten wie mit Geld zu dienen. Jedermann liebtesie; das neugeborne Kind, dessen Aufnahme in die Ge-meinschaft der Christen durch das Fest dieses Abends ge-feiert wurde, war das Pfand einer Verbindung, welcheMadame de Merville zu Stande gebracht hatte zwischenzwei jungen Leuten, die unter sich und mit ihr verwandtwaren. Bedenklichkeiten von Seiten der Eltern waren zuüberwinden Geldsachen ins Reine zu bringen gewesen Eugenie hatte Alles glatt und eben gemacht. Gatteund Gattin, noch Liebende, sahen zu ihr als der irdischenSchöpferin ihres Glückes empor.

Die Festlichkeit dieser Nacht war daher ungewöhnlichvergnügter Art, und die Freude klang nicht hohl, sondernerscholl aus dem Herzen. Und doch, wenn Eugenie vonZeit zu Zeit das junge Paar betrachtete, dessen Augenimmer einander suchten, so schön, so zärtlich, so fröhlichsie erschienen umwölkte ein melancholischer Schatten