zu bewerben, damit wir erprobten, ob wir als Eheleutezusammen passen würden — ich hielt diesen Mittelwegfür ganz besonders verständig und klug. Ich verschloßmeine Augen gegen die Folgen solches fortgesetzten, un-entschiedenen Umgangs. Mir fiel ein, wie lernfähigdie Jugend ist, und ich schmeichelte mir daher mit dertrügerischen Vorspiegelung, ich würde im Stande sehn,Juliens Erziehung in so weit zu vollenden, daß, nacheinigen Jahren des Reifens mit meiner jungen Gattin,ich sie würde in den vornehmen Kreisen vorstellen können,in denen ich gewohnt war, mich zu bewegen. Mittler-weile war ich entzückt über den Vertrag, den ich auf dieseWeise zwischen meinem Herzen und meinem Kopfe ge-schlossen hatte. Ich konnte Julie sehen — sprechen —mit ihr umgehen — so oft ich wollte tn ihrer Nähe wei-len! Wie glücklich machte mich schon der bloße Gedankedaran!
Tags darauf sprach ich bei der Schwester ein, derendunkle Angen bei meinem vorläufigen Anträge funkelten;und Alles ward angeordnet. Ich sah Julie — wie bese-ligt blickte sie! Mit welchem Lächeln und welchen Thrä-nen sank sie in meine Arme — und wie zufrieden undglücklich war ich!
Ich besuchte die Geliebte jetzt täglich; allein schonnach dem ersten Besuche begann der Zauber zu schwinden.Ich sah mit andern Augen. Die Schwester, durch unddurch eine Krämerseele, weidete sich allerdings an derHoffnung auf die glänzende Hcirath; die Julie mit mir