55
gcncn Sinnes in die Gemächer der Frauen begab,trat seine strenge Mnttcr zu ihm.
„Mein Sohn," sprach sic bitter, „kehrst Dn zu-rück, und nicht als Sieger?"
Ehe noch Boabdil antworten konnte, eilte einleichter, schneller Schritt dnrch die schimmernden Arkaden,und frcudcwcinend nnd über alles orientalische Ccre-moniell sich wegsctzcnd, stürzte Amine an seine Brust.„Mein Geliebter, mein König, Licht meiner Augen,Du kehrst zurück I Willkommen! — denn Du bistunverletzt."
Die verschiedene Art dieser beiden Begrüßungenmachte einen mächtignn Eindruck aus Boabdil. „Dnsiehst, Mutter," sprach er, „wie groß der Gegensatzzwischen Denen ist, die uns aus Zärtlichkeit, und De-nen, die uns aus Stolz lieben. 2m Unglück behütemich Gott vor Deiner Zunge, o Mnttcr!"
„Aber auch ich liebe Dich aus Stolz," flüsterteAmine; „und aus diesem Grunde ist mir Dein Un-glück thcucr, denn cs entreißt Dich der Welt, um Dichmehr mein eigen zu machen, nnd ich bin stolz ans dieLeiden, die mein Held mit seiner Sklavin thcilt."
„Lichter her und das Banket!" rief der König,sich von der harten Mnttcr abwendend. „Wir wollenein Fest halten und fröhlich sehn, so lange wirs kön-nen. Meine angcbctete Amine, küß mich."
So stolz, so düster und so zartfühlend Boabdilauch war, empfand er in dieser Stunde doch keineTrauer: solchen Balsam hat die Liebe für unsere