Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
16
Einzelbild herunterladen
 

16

Verhältnissen gebildet/ als die spanischen Mauren inder Regel zeigten: die Stirne breit, massiv und aus-gezeichnet hoch; die schwarze» Augen von ungewöhn-lichem Schnitt und Feuer; der kurze, duukclglänzcndeBart verbarg den untern Theil des Gesichtes ganz, sodaß man nur den festen, entschlossenen Ausdruck desvollen, gewölbten Mundes sehen konnte; die Nase warhoch, adlerhakt und wohl gebildet, und der Gesummt-Charakter des Kopfes (der im Vcrhältniß zur übrigenGestalt fast zu groß und gigantisch schic») deutete aufaußerordentliche Energie und Macht. Auf den erstenBlick mochte der Fremdling kaum an der Grenze desmittler» Alters angckommcn scpn; bei genauerer Be-sichtigung jedoch verriethcn die tiefen Linien und Faltenans der Stirn und um die Augen eine vorgerücktereLcbcnspcriodc. Die Arme über der Brust gefaltet,stand er neben dem König, schweigend des Augenblicksharrend, wo seine Gegenwart bemerkt werden würde.

Er wartete nicht lange. Augen und Bewegungdes zu Boabdils Füßen sitzenden Mädchens leiteten dieAufmerksamkeit des Erstcrn nach dem Ort, wo derAnkömmling stand: des Königs Blick leuchtete, als erauf denselben siel.

Almamcn," rief Boabdil lebhaft,sey mir will-kommen." Damit winkte er den Tänzerinnen, sich zuentfernen.

Darf ich nicht bleiben? Herz meines Herzens,Dein Vogel ist in seinem Neste!" flüsterte die Sängerinzu des Königs Füßen.