ruhte», auf einem Scherz eines alten Mitkollegiaten viel-leicht, oder höchstens auf dem nichtigen Enthusiasmus einesleichtgläubigere» Bewunderers. Aber die Einlage in demheutigen Briefe machte jede derartige Vermuthung zu Nichte.Wer von seinen Bekannten könnte sich einen so kostbarenScherz oder eine so ausschweifende Huldigung erlauben?Er stand rathlos im Dunkeln und damit verband sich eineArt Furcht. In dem prosaischen, unromantischen Mannerief diese geheimnißvolle Einmischung in sein Schicksal,diese Anmaßung des Rechts ihn zu beobachten, zu berathenund zu beschenken, die Unbehaglichkeit hervor, die Geräuschim Dunkeln bei dem Muthigsten erweckt. Heute konnte ernicht mehr arbeiten — er konnte sich nicht mehr über seineRechtsfälle setzen. Er ging zwei- oder dreimal unruhig inseinem rauchgeschwärzten Zimmer aus und ab, schloß denBrief mit seiner Einlage dann ein, nahm den Hut und ginginS Freie.
Aber immer noch beschäftigte ihn der Brief. „Undwenn ich in einem hohem Range geboren wäre," sagte erfast hörbar, „könnte ich ja auch ein Herz haben wie unbe-schäftigte Menschen; und Helene — geliebte Helene!"—er schwieg, seufzte und fügte dann, die vernachlässigten Lockenseines Hauptes schüttelnd, hinzu: „Als ob ich selbst danneines Mädchens Gunst gewinnen könnte! Die Achtung derMänner kann ich erzwingen, obgleich ich arm bin, aber —Bah! Bah ! nicht jedes Holz taugt zu einem Merkur; undmeiner Treu, aus dem Holze, aus dem ich bin. schnitzt maunimmermehr einen Liebhaber."