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1 (1868)
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Gotliische Kirchen

Kirchen in der grossen Ebene des norddeutschen Tieflandes,zum Tlieil und namentlich in den decorativen Theilen allerdings ab-hängig von dem Material der nur in kleinen Massen zu gewinnendenBacksteine. Freistehende, noch mehr frei durchbrochene Details inden leichten Formen des Flausteinbaues vermochte sich der Ziegelbauschwerlich anzueignen; man begnügte sich daher in den meisten Fäl-len mit blendenartig auf den Wandflächen aufliegenden stilgemässenDecorationen, wodurch der hochstrebende Charakter der gothischenBaukunst indess ebenso beeinträchtigt werden musste, als durch dieeigenthümliche Anwendung von verschiedenfarbigen Wechselsteinen,welche die aufsteigenden Gliederungen in wagerechten Schichtendurchschneiden. (Vergl. oben S. 266.) Die Blüthezeit des Ziegelbauesfällt in die erste Hälfte bis zur Mitte des XIV. Jahrhunderts; in derzweiten Hälfte desselben erschlafft der Stil, nimmt indess im XV. Jahr-hundert, namentlich in den brandenburgischen Marken (Katharinen-kirche in Brandenburg, Dom zu Stendal, Wallfahrtskirche zu Wils-nack), einen erneuten Aufschwung. — Die reichste und bedeutendsteGruppe von Backsteinkirchen findet sich in dem Küstenlande zwischenElbe und Oder, wo die grossartige, in ihrer Anlage den französischenKathedralenstil mit Chorumgang und Kapellenkranz befolgende Ma-rienkirche zu Lübeck, ein Gebäude ersten Banges, das Vorbild für dieausgezeichneten Kirchen von Doberan, Schwerin, Wismar, Rostockund Stralsund geworden ist. Das Mittelschiff in mehreren dieser Ge-bäude, welche gewisserinassen als Uebersetzungen des Steinbaues an-zusehen sind, steigt mit einer den Cölner Dom fast übertreffendenKühnheit empor; selten jedoch steht die Breite und Länge der Kirchenzu ihrer ausserordentlichen Höhe im richtigen Verhältniss; sie sindnackt an Details und zeigen wenige der den Zicgelbau charakterisiren-den Formbildungen. Dazu kommt die bedeutende Breite und Höheder Seitenschiffe, welche für das Hauptschiff entweder nur sehr nie-drige, innerlich an der Scheidmauer als Blenden nach unten verlän-gerte, Fenster gestattete — oder diese Blenden mussten die Fenstervöllig ersetzen. Die Arkadenpfeiler sind entwederviereckig mit Vorlagen an den vier Seiten und pro-filirten Ecken (Lübeck, Schwerin, Doberan; Fig.236), oder achteckig, früher mit Gurtträgern anden Seitenflächen und Gliederungen auf den Ecken,später (im XV. Jahrh.) insgemein nackt. Rund-pfeiler kommen selten vor. Die Fenster, obgleichi'ig. 233 . wie die Portale, an den Gewänden oft sehr reich