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Romanischer
75. Ein bedeutsamer Schritt zur weiteren Ausbildung der kirch-lichen Baukunst war die in Deutschland erst seit dem XII. Jahrhun-dert durchgeführte Bedeckung des ganzen Innern der Pfeilerbasilikamit Kreuzgewölben ') statt der bisherigen, übrigens namentlich beikleinern Kirchen und in manchen Gegenden die ganze romanischePeriode hindurch beibehaltenen flachen Holzdecke.
Das romanische Kreuzgewölbe besteht aus zwei sich durchschnei-denden Tonnengewölben von gleichem Durchmesser, und zum richtigenVerständniss der Construction desselben ist zunächst die Eigenthiimlich-keit der Tonnenwölbung ins Auge zu fassen. Das Tonnengewölbe (Fig.158), als gleichförmige (etwa wie in unserem Holzschnitte nur durchunterlegte Verstärkungsbögen einigermaassen belebte) Masse nach einemHalbcylinder oder einer halben Tonne gebildet, erscheint als einfacheVerlängerung eines auf zwei Stützen gestellten Gurtbogens und verbindetnur die beiden gegenüber liegenden Wände eines vierseitigen Raumes,
Fig. 158.
Tonnengewölbe
Fig. 150.
(aus E. Försters Vorschule).
Kreuzgewölbe
von denen es getragen wird, während die beiden anderen Wände (Stirn-wände oder Schildw'ände genannt), an welche die Wölbung nur anstösstund den sogen. Stirnbogen oder Schildbogen bildet, lediglich zum Ab-schlüsse dienen und gleichsam den Roden der Tonne darstellen. Denktman sich nun zw r ei Tonnengewölbe von gleichem Durchmesser, w'elcheeinander rechtwinkelig durchkreuzen, so laufen beide auf ihrem höchstenPunkte zwar ununterbrochen fort, in allen anderen Punkten aber durch-brechen sie sich gegenseitig, so dass ein aus vier in scharfen Kanten(Graten) aneinander stossenden sphärischen Dreiecken (o) gebildetes Kreuz-gewölbe (Fig. 159) entsteht, das, weil die sich durchschneidenden beiden
1) Leibnitz, H., die Organisation der Gewölbe im christl. Kirchenbau. 1855.Essenwein, A., die Entwicklung des Pfeiler- u. Gewölbesystems in der kirchl.Baukunst bis zum Schluss des XIII. Jalirh. , in dem Jahrbuch der k. k. Central-Comm. etc. 1859. S. I—101.