Druckschrift 
1 (1868)
Entstehung
Seite
277
Einzelbild herunterladen
 

Baukunst.

277

sowie aus einzelnen auf uns gekommenen Ueberresten in Italien ist nurfragmentarisch, und das sich ergehende sehr allgemein gehaltene Bild der-selben bedarf zu seiner Vervollständigung noch weiterer Forschungen.lieber die Oeci giebt Vitruv 6, 5 ein deutliches Bild. Vergl. Over-beck, Pompeji 2, 191. In den beträchtlichen Ruinen der Villa desLucullus fand Mothes (Basilikenform S. 89) zweifellos zwei grosseSäle mit halbkreisförmigem Schluss.

Anmerkung. Gegen die bis dahin unangefochtene, aber unbewieseneAnsicht, dass die christlichen Basiliken eine Nachbildung der römisch-forensischen gewesen, und dass in vielen Fällen die letzteren seit Constan-tinus den Christen ohne Weiteres seien eingeräumt worden (Schn aase ,Kunstgesch. 3, 32; Kugler, Gesch. der Baukunst 1, 354), trat zuerstZestermann in seiner gekrönten Preisschrift »de Basilicis« 1847 aufund kam, gestützt auf philologisches Material, zu dem Resultate, dass daschristliche Kirchengebäude, hervorgegangen aus dem Bedürfnisse der Ge-meinde, eine freie Schöpfung des christlichen Geistes sei. Dieser Ansichtwar auch 1851 Kreuser (Kirchenbau 1. Aufl. 1, 29). Dagegen verthei-digte Messmer Anfangs (über den Ursprung . . . der Basilika. 1854) dieältere Meinung, erklärte sich jedoch später (Zeitschr. für christl. Archäol.u. Kunst 2, 212) für die Ableitung der christlichen Basilika von den Oecisund Hausbasiliken. Dieselbe Ansicht über das christliche Gemeinde-haus hatte schon Weingärtner (Ursprung des Kirchengebäudes S. 32 ff.)zwar ausgesprochen, suchte sich aber dadurch selbst zu widerlegen, dass erdas christliche Gotteshaus der Constantinischen Zeit für die reinste Fort-setzung des heidnischen Hypäthral - Tempels (ebd. S. 138) zu erklärenunternahm. Neuerlich gelangte Kreuser (Kirchenbau 2. Aufl. S. 42 ff.)dahin, den christlichen Basilikenbau von der jüdischen Synagoge zu Ale-xandria, die nach einer Stelle im Talmud nach Art einer grossen (christ-lichen?) Basilika erbaut gewesen, abzuleiten. Mothes endlich hat denganzen sehr umfänglichen Apparat vom Standpunkt des Architekten undTechnikers übersichtlich nerr bearbeitet und gezeigt, wie sich das Ideal deschristlichen Gotteshauses durch Combinirung aus mehreren dem Bedürf-nisse angepassten Gebäudeformen allmählich entwickelt habe, da auchausserhalb des Römerreiches bei allen gebildeten Völkern sich Gebäudefänden, die mehr oder weniger basilikale Elemente an sich trugen, und vonderen Formen also ein grösserer oder geringerer Theil bei Ausbildung derchristlichen Basilika verwendet zu werden fähig war. Ueberall, wo eingrosser Mittelraum von kleineren umgaben anzubringen war, und mandennoch dem ersteren das Licht nicht entziehen durfte die Aufgabe derKirchenbaumeister fand sich die Baukunst fast zu der basilikenartigenAnlage genöthigt. Vergl. v. Quast, die Basilika der Alten S. 21.

58. Die christliche Basilika erscheint in einem bestimmten, clenBedürfnissen des christlichen Cultus entsprechenden Typus : ein läng-liches, von einer Mauer umschlossenes Viereck, an der dem Eingängegegenüber belegenen Schmalseite von einem halbrunden Ausbau be-grenzt, wird von parallelen Säulenreihen in drei (oder fünf) Schiffe