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Verschiedene
kommenden sog. Götzenkammern mit dem Heidenthume durchausnichts gemein, und heissen im Volksmunde nur deshalb so, weil die indiesen kirchlichen Rumpelkammern zusammengeworfenen Heiligen- etc.Figuren von zerstörten alten Denkmälern dem evangelischen Volke alsUeberbleibsel der mittelalterlichen Bilderverehrung galten und wegen ihrerzum Theil monströsen Formen hin und wieder selbst für heidnischeGötzenbilder gehalten werden, wie dies z. B. zutrifft hei den in derMarienkirche zu Berlin befindlichen geschnitzten Evangelistenstatuettenaus dem XV. Jahrh., denen statt menschlicher Köpfe die ihrer aus demThierreiche entnommenen Symbole (Löwe, Stier und Adler) gegeben sind.
9. Heilige (irälter, statuarische Gruppen, die Grablegung Christi dar-stellend, welche in den drei letzten Tagen der Charwoche in Trauer aus-gestattet wurden; entweder in den Kirchen selbst (Maria auf dem Capitolin Cöln ; St. Gangolf in Trier ; St. Martin in Münstermaifeld ; Pfarrkirchezu Andernach: Ivathol. Kirche zu Remagen; Kirche zu St. Wendel:Liebfrauenkirche in Trier vom J. 1530; Dom zu Mainz, abgebild. inPhotogr. bei Emden n. Wetter, der Dom zu Mainz Taf. 25; Münsterzu Freiburg i. Br. : Marienkirche zu Reutlingen, abgebild. in den Jahres-heften des wiirtemb. Alterthums Vereins IV. Bl. 3 ; aus der Stadtkirchein Chemnitz von 1480 im Museum des Grossen Gartens in Dresden undin der Frauenkirche zu Zwickau von 1507 (beide letztere in Schnitzwerk,silmmtlich spätgothisch) oder in besonderen Heil. Grabkapellen (zu Schlett-stadt; auf dem Johanniskirchhofe zu Nürnberg von 1507, abgebild. beiWolff, Nürnbergs Gedenkbuch Taf. S9 ; vgl. oben S. 18). Das heiligeGrab zu Görlitz von 1489 (Abbild, bei Putt rieh, IJenkm. II. SerieGörlitz Bl. 5) ist eine Nachbildung des Originals zu Jerusalem als Keno-taphium ohne statuarische Ausstattung. — Vgl. über die heiligen Gräberder Charwoche, im Kirchenschmuck (1802) VI. 5, 1 ff.
10. Heilige Stiegen, wohl erst seit dem Ausgange des M. A. beson-ders an Wallfahrtsorten vorkommende Nachbildungen der aus 28 Mar-morstufen bestehenden Scala santa beim Lateran in Rom, welche aus jenerTreppe erbaut sein soll, die in Jerusalem zu dem Richthause des Pilatushinaufführte. Die Stufen sind mit einem Kreuze bezeichnet und werdenvon den Gläubigen auf den Knieen unter Gebeten erstiegen; oben isteine Passionsdarstellung angebracht (in der Kirche zu Graupen in Böhmenz. B. die Ausstellung Christi, in vielen lebensgrossen bemalten, in Holzgeschnitzten und auf drei Altanen aufgestellten Figuren), und eine zweiteTreppe führt wieder hinab.
11. Kamme, aus Elfenbein geschnitzt, wurden im früheren M. A.bis ins XIII. Jahrh. in den Kirchen gebraucht, um das Haar des ponti-ficirenden Geistlichen vor der Messe zu ordnen, und nach dem Schatz-verzeichnisse der Ecclesia Sarum in England vom J. 1222, wo es heisst:»Pectmes eburneae V. exceptis Ais quae sunt ad altaria, « gewinnt es denAnschein, als ob zu jedem Altäre ein solcher Kamm als Inventarienstückgehört habe. Auch bei der Consecration der Bischöfe kam ein reich ver-zierter Elfenbeinkamm in Anwendung, um nach der Salbung des Hauptesmit Chrisam das Haar wieder zu ordnen. Dieser Consecrationskammverblieb den Bischöfen als Eigenthum und wurde ihnen nach ihrem Ab-