Ivenotaphien. — Steinsärge.
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Kenotaphien sind Sarkophage zum Andenken an Verstorbene,die an einem anderen Orte, als wo man ihnen das Denkmal errichtete,begraben liegen.
Vornehme Prälaten des XIV—XVI. Jahrh. (z. B. die ErzbischöfeEngelbert III. von Cöln, Ernst von Magdeburg, die Bischöfe Heinrich III.von Bamberg, Thilo v. Trotha von Merseburg etc.) , seltener weltlichePersonen, Hessen sich zuweilen schon bei ihren Lebzeiten prächtige Grab-mäler errichten. Andrerseits finden sich aber £uch Beispiele davon, dassman aus verschiedenen Veranlassungen berühmten Verstorbenen erstmehrere Jahrhunderte nach ihrem Tode neue Denkmäler setzte, z. B. imXIV. Jahrh. das Denkmal des heil. Bonifacius (f 755) im Dome zuMainz, im XVI. Jahrh. die Tumba der im J. 947 gestorbenen KaiserinEditha im Dome zu Magdeburg.
Anmerkung 1. Vornehme Verstorbene pflegten in Steinsärgen *)begraben zu werden, und diese Sitte gehört der ersten Zeit nach Einführungdes Christenthums in unserem Vaterlande an, findet sich aber (wenigstensbei Bischöfen) auch noch um die Mitte des XIV. Jahrhunderts. Ein sehrmerkwürdiger, spätestens dem XII. oder XIII. Jahrhundert angehöriger, imInnern der Moritzkirche zu Halle a. d. S. ausgegrabener Steinsarg befindetsich im Museum des Thüringisch - Sächsischen Vereins daselbst: es ist einestarke Platte aus rothem Sandstein, in welche das Behältniss für den Leich-nam , den körperlichen Verhältnissen genau entsprechend, eingehauen ist,und war mit einer zweiten schwachen Platte bedeckt; in der Mitte des Bo-dens befindet sich eine runde Oeffnung zum Ablaufen der Flüssigkeiten aus
Fig. 10(1.
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der Leiche. Ein ganz ähnlicher, aber nur kleiner und der Länge nach auszwei Stücken zusammengesetzter Steinsarg wurde im J. 1844 im Peters-kloster zu Merseburg ausgegraben und steht jetzt in der VorhaUe des dor-tigen Domes. In der Krypta des Braunschweiger Domes zeigt man denSteinsarg der Aeltermutter Heinrichs des Löwen, und zwanzig alte Steinsärgeähnlicher Art hat man im J. 1834 auf dem Domplatze zu Worms ausge-graben ; in den meisten derselben fanden sich die Gerippe mehrerer Leichenbei einander. 1 2 .) — Bei der im J. 1856 stattgehabten officiellen Aufgrabungder Gräber des Wettinischen Fürstenhauses 3 ) aus der Zeit von 1146 bis
1) Vgl. Feydeau, E., Cercueils et inliumations au moyen-age, in den Annalesarchöol. 185-1. 14, 153—162. — 1855. 15, 30 —50.
2) Lange, G., Gesch. u. Beschreib, der Stadt Worms. S. 155 ff.
3) \gl. Köhler, Gust., das Kloster des heil. Petrus auf dem Lauterberge beiHalle und die ältesten Grabstätten des säclis. Fürstenhauses. Dresden 1857. —v. Quast, in der Zeitschr. für christl. Archäol. u. Kunst 2, 269—280, von wo wir