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Reliquienaltäre.
theilige Pentaptycha genannt worden. — Vermuthlich wurden die Flü-gelschränke ursprünglich nicht unmittelbar auf die Mensa selbst gesetzt,sondern auf das Retabulum, welches ihnen als Sockel diente, und worausdann die Altar Staffel (predella) hervorging. Letztere bildet entwederebenfalls einen offenen oder verschliessbaren Kasten zur Aufnahme vonReliquiarien , oder besteht lediglich aus einer schmalen, mit Malereiengeschmückten Quertafel. Die unter letzterer angebrachten Stufen ' r/radini)zur Aufstellung des Crucifixes und der Leuchter scheinen erst der Renais-sance anzugehören. Leber dem Mittelschreine bauen sich zuweilen nochmehrere Stockwerke auf, und in der Krönung des Ganzen ist oft nochein Gemälde oder Schnitz werk angebracht. Auch die vom Volke abge-wendete Kehrseite frei stehender Altaraufsätze enthält oft noch Malereien.
Arrsser den, die grosse Mehrzahl der spätmittelalterlichen Schnitz-altäre ausmachenden Bilderaltären finden sich auch andere Aufsätze, beidenen der Bildschmuck entweder ganz fehlt oder doch sehr zurücktritt,und deren eigentlicher Zweck die Aufstellung von Reliquiarien war.Solche Reliquienaltäre haben sich nur selten erhalten, z. B. im Domzu Paderborn, wo der steinerne Aufsatz des ehemaligen Hochaltars (beiLaib und Schwarz a. a. O. Taf. XVI. 7) unter einer thurmartigenKrönung fünf vergitterte Schreine neben einander enthält; im Dom zuMünster, wo der gegenwärtige Aufsatz des Hochaltars einen Schrein mitvielen mittelalterlichen Reliquiarien verdeckt *) ; in der Johanneskirche zuEssen ein grosser vorzüglich schöner Schrank, von vergoldeten gothischenEisengittern verschlossen ; in der Kirche zu Doberan zeigt der Schreindes Hochaltars 6 tiefe Fächer, nach hinten mit Thüren versehen. Auchder Choraltar von St. Ursula zu Cöln lässt auf der Rückseite noch einenvon vier Säulen getragenen hölzernen Schrein erkennen mit drei aus demXII. Jahrh. stammenden (verdorbenen) Prachtsärgen. — Bilderaltäre,deren Predellen zur Aufnahme von Reliquien bestimmt waren, findensich in der Stiftskirche zu Moosburg, in Blaubeuern, in der Lorenzkirchezu Nürnberg, in der Oberkirche zu Frankfurt a. O.
Entweder vollständig oder doch in einzelnen, an den daran befind-lichen Haspen leicht kenntlichen Theilen finden sich Schrank- und Flügel-altäre noch sehr häufig. — Berühmte Schnitzaltäre spätgothischen Stils,im südlichen Deutschland: in Blaubeuern * 2 ), Ulm, Rottenburga. d.Tauber, Nördlingen , Moosburg 3 ); St. Wolfgang in Oberösterreich 4 );
J) Vgl. Diclron, Annales archeol. 18, 2S1 sqq.
2) Heideloff, C. u. M., der Hochaltar zu Blaubeuern IS40; vgl. den Kupfer-stich von Wagner und "Wal tli er, mit Commentar von R e i s (Nürnb. 184(3), auchden von uns aus Förster, E., Denkmale Bd. VI. Baukunst S. 1 entlehnten Stahl-stich dieses in den decorativen Theilen an Reichthum, Adel und Schwung vielleichtunerreichten Werkes, von welchem auch ein von Fz.. Gremser verfertigtes Modellvon 2 F. Höhe existirt. —. Vgl. den Schwab. Mercur No. 2(5(3.
3) Harrer, A., Beiträge zur Holzarchitektur des M. A. Details des berühmtenHochaltars in der Stadtpfarrk. zu Moosburg 1. Lief. (Lindau 1857). Vgl. N. Mün-chener Ztg. 1S57. Abendbl. No. 10 u. 22.
4) Sacken, Ed. Frh. v., Der Flügelaltar zu St. Wolfgang in Oberösterreich, in:Mittelalterl. Ivunstdenkm. des Österreich. Kaiserstaates, herausgegeb. von Dr. G.Heider etc. 1, 125 ff. u. Taf. XIX.