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1 (1868)
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Bilderaltäre.

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geöffnet wurde. Das Innere des Schrankes ist mit figürlichem Schnitz werkgefüllt, 'und die Flügel erscheinen auf beiden Seiten mit Gemälden ge-schmückt , insgemein mit den Abbildungen der Patrone des Altars oderder Kirche ; die Stelle des eigentlichen Schrankes vertritt indess häufigeine gemalte Tafel. Ueber Ursprung und Alter dieser Flügelschreine,deren älteste nachgewiesene Beispiele höchstens bis ins XII. Jahrh.hinaufreichen ') , ist man auf Vermuthungen angewiesen : über die Be-malung der Ältarfliigel, die in vielen Fällen, zumal hei geringeren Altärennur aus einem blossen Anstriche bestanden haben mag, vgl. TheophilusPresb. 1. 1 . c. 17. 2 j Nicht unwahrscheinlich aber war es die Sitte denvollen Prachtschmuck der Altäre nur an Festtagen zu enthüllen, welchezur Erfindung der dazu besonders praktischen verschliessbaren Flügel-schreine führte, die Anfangs vermuthlich weniger Bildwerke als Reliquienenthielten. 3 ) Auch kann es der Fall gewesen sein, dass man jene kost-baren, mit Gold und Edelsteinen geschmückten Superfrontalien zu ihremSchutze mit Holzthüren versah, woraus sich dann später die Flügelbilderentwickelten. Einer anderen wohl minder annehmbaren Vermuthung zu-folge wären die Flügelaltäre aus den alten bischöflichen Diptychen ent-standen , da dergleichen Kirchenbücher und Kalender mit geschnitztenElfenbeindecken auf den Altären aufgestellt wurden, die mannichfachstcnVerwandlungen erlebt haben, und endlich zu den Altarbildern erwachsensein sollen, wie sie noch heute sind. 4 ) Richtig ist es, dass geschnitzte,zum Zusammenklappen eingerichtete Elfenheintafeln im Privatgebrauchevielfach zum Schmucke der Hausaltäre verwendet wurden. — Das Stre-ben, den Altar bei verschiedenen Veranlassungen auch in verschiedenemSchmucke erscheinen zu lassen, führte im XV. Jahrh. dazu, den Mittel-schrein mit mehr als zwei Thüren zu versehendie beliebig auf beideSeiten gewendet werden können und mannichfache Verwandlungen zu-lassen; man hat daher diese Schreine Wandelaltäre genannt, undfinden sich solche z. B. in der Moritz-, Ulrichs- und Lorenzkirche zuHalle a. d. S. Von neueren Kunstschriftstellern sind die Flügelaltäre jenach der Anzahl der Theile, aus welchen sie bestehen: zweitheiligeDiptycha, dreitheilige Triptycha, viertheilige Tetraptycha, fünf-

1) In der Nicolai (Tauf- Kapelle am Dome zur Worms befinden sich zwei mitHeiligengestalten bemalte Ältarfliigel, die dem Ende des XII. Jahrh. angehörensollen (Kugler, Kl. Schriften 2, 730).

2) Kugler, Gesell, der Malerei 2. Aufi. 1, 16S.

3) In dem ehemaligen Kloster Mettlach a. d. Saar hat sich aus dem XIII. Jahrh.ein ganz mit vergoldetem Messingblech überzogener, äusserlich mit Gravirungen, in-nerlich mit Emaillen, Glasflüssen mid Perlen geschmückter viereckiger Schrank ausEichenholz erhalten, von 14 1 /., Z. Höhe, 11 Z. Breite und 3'/ s Z. Tiefe mit zweiFlügelthüren. Die Mitte des geöffneten Schrankes nimmt in Gestalt eines Kreuzesmit zwei Querbalken die Umschliessung eines nicht mehr vorhandenen Partikels deswahren Kreuzes ein, umgeben von 20 mit kleinen Klappthürehen aus Messing ver-schliessbaren Behälterchen mit den Reliquien verschiedener Heiligen. Auf der oberenFläche des Kastens war ein bügelförmiger Handgriff befestigt, an welchem derselbebequem getragen -werden konnte, und es leidet wohl keinen Zweifel, dass er zumAufstellen über einem Altäre bestimmt war. Vgl. Zeitschr. für christl. Archäol. u.Kunst 1, 230 ff.

1) Förster, Gesch. der deutschen Kunst I, 32 u. 141.