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1 (1868)
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Sacristei.

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30. Sacristeien ( secretaria) '), hie und da auch Almereien(armaria), Garveliäuser ( vestiaria ) oder Treskammem igazophylacia)genannt,, sind gewöhnlich spätere Ein- oder Anhauten, oft an derNordseite der Kirche und regelmässig' in der Nähe des I Iochaltaresbelegen. Ihre Bestimmung als Aufenthaltsort ( metatorium , salutato-riunij der Geistlichen, als Schatz-, Bücher- und Kleiderkammer istbekannt, und die seit dem XIII. Jahrli. vorkommende Errichtung vonAltären in denselben lässt sie zugleich als Oratorien erkennen. —Auch ist hier der abgesonderten festen Gemächer zu gedenken, die'zu Magdeburg, Halberstadt und Quedlinburg; den dunkeln NamenZither führen und zur Aufbewahrung der Kirchenschätze (Reliquien,Urkunden, Kleider) dienen.

Dem Namen Almerei, abgeleitet von Almer, almaria, franz.aumaire , liegt das latein. armarium zu Grunde = Kasten . Schrank. —Garvehaus, Gerwehns, Gerkammer, Gherhus, Gherekam-mer, Gerbe kämm er (in Niedersachsen, Westfalen und am Nieder-rhein gebräuchlich), etwa von gar, gerven, d. i. zurecht machen, demZubereiten des Priesters; das von Kreuser a. a. O. S. 213 herbeige-zogene Gere in der Näherei gehört nicht hierher; es bezeichnet einenschiefen Saum, wie Gerung beim Tischler das Zusammenfügen zweierHölzer unter schiefem Winkel, und wenn Luther llagg. 2, 13 übersetzt»in seines Kleides Geren «, so versteht er nach dem Grundtext darunterden Zipfel. — Treskam mer, corrumpirt Tr os tkamm e r (in Preussenund Schlesien), wie Tressler ( Ihesaurarius) von trese, tresor = Schatz-kammer ; vergl. Diez, Lexicon der rornan. Spr. S. 738. — Zither, ur-kundlich im XIV. Jahrh. sytere, (vergl. in v. Ledebur, Allgem. Archiv10, 175 ff.) scheint mit dem von Schäfer a. a. O. angeführten slav.citarne = Archiv zusammenzuhängen.

Auf dem Plane von St. Gallen (S. 4 3 sind in den von dem Altar-hause und Querhause der Kirche gebildeten Winkeln zwei zweistöckigeGebäude angegeben, von welchen das nördliche unten die Stube der Ab-schreiber (infra sedes scribentium) , oben die Bücherei (supra bibliotheca ),das südliche unten die heizbare Sacristei (subtus sacratorium ) mit einemTisch zur Aufstellung der heiligen Gefässe (mensa sanctorum vasorum),oben die Paramentenkammer (supra vestium ecclesiae repositio) enthält.Hinter der Sacristei befindet sich noch ein besonderes Gebäude, worindas Weihbrot gebacken und das heilige Oel gepresst wurde idomus adparandum panem sanctum et oleum exprimendum ), was anderweitig in derSacristei selbst zu geschehen pflegte. — Grössere Kirchen haben oft zweiSacristeien mit verschiedener, verwandter Bestimmung (der Dom zu Cölnhatte eine grosse und eine kleine Gerkammer, der zu Magdeburg einengeheimen und einen grossen Zither); kleinen Kirchen fehlt die Sa-cristei häufig ganz. — Schon das Beispiel von St. Gallen lehrt, dass die

1) Leber Sacristeien: Kreuser, Kirchenbau 1, 212 — 217 ; vgl. I)r. Sch äfer,im Correspondenzbl. des histor. Gesammtvereins etc. II. Jahrg. (IS51). S. 121.

O t te . Kunst-Archäologie. (•}