Karner.
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dem heiligen Lande zu Klosterneuburg nach dem Muster des heil. Grabeserrichtete »capella speciosa «. Den centralen Typus der Grabkirchenzeigen die zwölfeckige Kapelle zu Drüggelte bei Soest aus dem XII.Jahrh., die etwa gleichzeitige Kapelle St. Martin zu Bonn (1812 abge-tragen), und die (anscheinend erst dem XVI. Jahrh. angehörende) heil.Grabkapelle zu Weilburg a. d. Lahn. — Die unzweifelhaft mit dem heil.Grabe in Jerusalem zusammenhängende Vorliebe der Tempelherren fürRundbauten, die sich in Frankreich und England kund giebt, lässt sich,die achte lüge Templerkirche in Metz etwa ausgenommen, auf deutschemBoden nicht nachweisen. ') Es darf aber als erwiesen gelten, dass über-haupt alle mit dem Grab- und Ileliquiencultus zusammenhängende Ka-pellen das ganze Mittelalter hindurch typisch die thurmartige Rund- oderPolygonform befolgen. Dahin gehört die in den österreichischen Kron-ländern zahlreich vertretene Klasse kleiner Rundkapellen 2 ) auf denKirchhöfen, in geringer Entfernung, meist südlich neben den Kirchen.Diese Karner ( carnaria ) bestehen aus einer 18 — 30 F. inr Durchmesserhaltenden Rotuhde mit dem Ausbau einer halbrunden Altarnische auf derOstseite, haben einen kellerartigen, gewölbten , gewöhnlich von einerMittelsäule gestützten Dnterraum zur Aufsammlung der Todtengebeine,sind kuppelartig überwölbt und kegelförmig abgedeckt. Zuweilen, wie zuSt. Veit, Marein, Pöls in Steiermark und Lorch in Oberösterreich, liegtder untere Raum (vielleicht aus Rücksicht auf den Baugrund) völlig überder Erde, und die obere Kapelle ist durch eine äüsserlich angebrachteTreppe zugänglich, so dass die Erscheinung dieser kleinen Bauwerke anden Typus des Grabmals erinnert, welches sich der Ostgotlien-KönigTheodorich, in offenbarer Nachahmung der heidnisch-römischen Mauso-leen, unweit Ravenna errichten liess. 3 ) In Böhmen 4 5 ), wo diese Rund-bauten sehr häufig sind (in Prag allein sind drei nachgewiesen) , befindensich dieselben indessen nicht immer neben grösseren Kirchen, sondernstehen für sich allein und haben auch keinen Todtenkeller, gehören dahernicht zu den Karnern und scheinen besonders auf dem Lande vielmehrals interimistisch errichtete Pfarrkirchen angesehen werden zu müssen.“)Von dem 1160 gegründeten ansehnlichen Rundbau zu Scheiblingkirchen
]) Der templerische Ursprung der polygonen Kapellen auf der Oberen Burg zuKobern a. d. Mosel und zu Vianden im Luxemburgischen ist nicht sicher. Vergl.Ledebur, Leop. v., Allgem. Archiv. 16, 107 u. 108.
2) Vergl. Hei der, Lust., über die Bestimmung der roman. Rundbauten, inden Mittheil, der k. k. Central-Commission. 1S56. I, 53. — Sacken, Ed. v., dieRundkapelle zu Mödling, ebd. 1858. 3, 263. — Derselbe, Rundkapellen in Steier-mark, ebd. 1859. 4, 47; vergl. ISO! 1 . 5, 337.
3) Dieses Mausoleum (jetzt S. Maria ltotonda genannt) ist ein zweigeschossigerKuppelbau von zehneckiger Grundform: der untere, innerlich als gleichsehenkeligesKreuz gestaltete Raum war ohne Zweifel zur Aufnahme des Sarkophags bestimmt;zu dem oberen Stockwerke führen zwei gebrochene Freitreppen. Vergl. Quast,Ferd. v., die altchristl. Bauwerke von Ravenna, S. 24.
4) Vergl. Springer, A. H., Baukunst des M. A. S. 90. — Mittheil, der k. k.Central-Commission. 1856. 1, 197.
5) Man wird dabei an die bei Ennodius (-]- 516) earm. 2, 20 vorkommenden»baptisterin agella« erinnert: Dorfkirchen, die der Grundherr erbaut hatte. Vergl.Mone, in der Zeitsehr. für die Gesell, des Oberrheins. VIII. 1, 425.
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