Druckschrift 
1 (1892)
Entstehung
Seite
37
Einzelbild herunterladen
 

Fiu äs 8isols.

37

ihre ungeheuerliche Unkenutniß aller wirklichen Verhältnisseauszeichnen.

Ein Hauptstigma des Degenerirten endlich, das ich fürzuletzt aufgespart habe, ist der Mystizismus.Von allen de-lirireuden Kundgebungen, die dem erblich Belasteten eigenthümlichsind," heißt es bei Colinsgibt es, glauben wir, keine, welcheden Zustand sicherer erkennen lassen als das mystische De-lirium oder, wenn die Dinge nicht bis zum Deliriumgediehen sind, die beständige Beschäftigung mit mystischenund religiösen Fragen, die übertriebene Frömmigkeit u. s. w."Ich will die Zeugnisse und Anführungen an dieser Stellenicht vervielfältigen. In den folgenden Büchern, wo vonder mystischen Kunst und Dichtung des Tages die Redesein wird, werde ich Gelegenheit finden, dem Leser zu zeigen,daß zwischen diesen Richtungen und der religiösen Schwär-merei, die fast bei allen Entarteten und erblich Geisteskrankenbeobachtet wird, kein Unterschied besteht.

Ich habe die wichtigsten Züge aufgezählt, die den Geistes-zustand des Degenerirten kennzeichnen. Der Leser kann jetztselbst beurtheilen, ob die DiagnoseEntartung" auf die Ur-heber der neuen ästhetischen Richtungen anwendbar ist odernicht. Man glaube übrigens nicht, daß Degeneration mitTalentlvsigkeit gleichbedeutend sei. Fast alle Forscher, die vieleEntartete beobachtet haben, stellen ausdrücklich das Gegeutheilfest.Der Degenerirte", sagt Legrain,2)kann ein Geniesein. Ein Geist, der nicht das richtige Gleichgewicht hat, istder höchsten Gedanken fähig, aber freilich trifft man in dem-selben Geiste Erbärmlichkeiten und Kleinlichkeiten an, die um-so auffälliger sein werden, als sie neben den glänzendstenEigenschaften Vorkommen." Diesen Vorbehalt werden wir beiallen Schriftstellern finden, die Beiträge zur Naturgeschichte

*) 6oliu, a. a. O. S. 154.

-) UsAi'g,iii, a. a. O. S. II.