18
kin üs Lisels.
Blick auf sich zu ziehen suchen. In einer Ecke ist einem kauern-den oder aufrecht stehenden Buddha eine Art Tempel errichtet.Das Boudoir 'der Hausfrau hat etwas von der Kapelle und etwasvom Haremgemach an sich. Der Toilcttetisch ist als Altar gedachtund dekorirt, ein Betschemel verbürgt die Frömmigkeit der Be-wohnerin des Gemachs und ein breiter Divan mit orgiastisch nm-hergeworfenen Kissen scheint zu beruhigen, daß es nicht so schlimmsei. Im Speisesaale sind die Wände mit dem ganzen Waaren-vorrath eines Porzellanladens behängt, kostbares Silberzeug stehtin einem alten Bauernbüffet zur Schau und auf dem Tisch blühenhocharistokratische Orchideen und prangen stolze Silber-Aufsätzezwischen dörflichen Steinguttellern und Krügen. Das Licht, dasmannshohe Lampen am Abend in diesen Räumen verbreiten, istdurch röthliche oder gelbe oder grüne, oft noch mit schwarzenSpitzen umflorte Schirme von ausschweifender Form zugleichgedämpft und getönt, so daß die Menschen, auf die es fällt, baldin bunte, durchsichtige Nebel gebadet scheinen, bald von farbigerHelle umflossen sind, während kunstvolle Halbschatten die Eckenund Hintergründe in Geheimniß hüllen und unwahre Farben-akkorde den Möbeln und Bibelots eine Eigenartigkeit anschminken,die sie bei natürlicher Beleuchtung nicht haben, wie denn auchdie Personen sich in studirten Stellungen gefallen, welche ihnenermöglichen, san ihren Gesichtern Rembrandt'sche oder Schal-cken'sche Lichtwirkungen herauszuarbeiten. Alles in diesen Häusernsucht die Nerven zu erregen und zu verwirren. Das Unzu-sammenhängende und Gegensätzliche aller Einrichtungsstücke, derbeständige Widerspruch zwischen ihrer Form und ihrem Zweck,die Fremdartigkeit der meisten Gegenstände soll verblüffen.Die Ruhe, welche man angesichts eines Gesammtbildes vonleichter Uebersichtlichkeit empfindet, das Behagen, in das derGeist gelullt wird, wenn er alle Einzelheiten seiner Umgebungsofort begreift, soll nicht aufkommen. Wer hier eintritt, sollNicht duseln, sondern vibriren. Wenn der Hausherr in diesen
!
i